„Die schriftliche Reifeprüfung für das Schuljahr 1957/58 findet in der Zeit vom 18. – 25. Juni 1958 statt. Die Durchführung der Prüfung und die Prüfungsanforderungen richten sich nach der Schulordnung für die Höhere Schule vom 17. Mai 1957...“ (aus dem bayerischen Kultusministerialamtsblatt).

Das Buch fiel zu Boden. Matthias vergrub sein Gesicht in meinem Haar. Ich trug es lang, damals, und er pflegte es in viele kleine Zöpfe einzuflechten. Ich mochte das nicht, es war ein Streitpunkt zwischen uns gewesen. Aber jetzt war das nicht mehr wichtig.

Über der Bank, auf der wir saßen, hing das Gespinst des späten Sommers. Die Blätter hatten schon fahle Spitzen, die Farbe des Übergangs, die ahnen ließ, wie bald die Gärten auf dem Rosenhügel kupfergolden sein würden. Die Kettenbrücke zog über den blauen Fluß zu unseren Füßen. Wenn man die Augen bis auf einen Spalt schloß, verlief die Brücke in der Ferne, ohne Ende.

Eine Brücke ohne Ende. Matthias’ Kopf lag auf meiner Schulter. Von der Straße, jenseits des Parks, kam Geräusch herauf: schwere Räder auf dem Pflaster, und Pferdehufe.

Matthias rührte sich nicht. Ich horchte. „Schau nicht hin“, sagte er. Aber es war schon zu spät. Um die Biegung rollte der Wagen, hochbepackt mit Möbeln. Durch die Henkel der Kochtöpfe hatte man eine Schnur gezogen. Sie schwebten an der Seite des Wagens wie Lampions.

Ganz oben lagen Bettdecken, eine rote, eine grüne, eine gelbe, Sie sahen aus, seidenglänzend, wie fliegende Teppiche, die sich vorzeitig niedergelassen hatten.

Neben dem Wagen gingen ein Mann und eine Frau. Ein Junge saß oben und hielt die Zügel. Er war eigentlich zu klein dazu. Der Mann war dick und weinte. Die Frau trug ein verhülltes Bündel im Arm, eine Ballerina aus Porzellan.