Das Vorspiel zum vierten Akt war entsprechend nüchtern: Herr Haug bat den Gatten der "Frau Meyer" zu sich ins Büro und teilte ihm mit, daß er auf die künftigen Dienste der Musterfamilie verzichte. Das war am siebten Ausstellungstag. "Frau Meyer" war für zehn Ausstellungstage engagiert und wurde trotz des verfrühten Abbruchs der Beziehungen vom Ausstellungsleiter voll bezahlt. Das war recht und billig, die Geschichte aber damit noch nicht zu Ende.

Der Schlußakt war gar schröcklich: Als sie von ihrer Kündigung erfuhr, explodierte "Frau Meyer". Tränen flossen, Geschirr zerbrach vor den Augen erstaunter und zugleich ergötzter Zuschauer, ein Stuhl flog durch die Luft... Zum Schluß legten Sanitäter die Hauptdarstellerin auf eine Tragbahre und brachten sie in ihr richtiges Heim.

Nekrolog: "Frau Meyer" wurde nachgesagt, daß sie Starallüren bekommen und davon geredet habe, ihr Bild werde bald auf den Titelseiten der Illustrierten prangen. Ihr seien sogar Filmangebote gemacht worden. "Das alles stimmt nicht!", sagt "Frau Meyer", und fügt hinzu: "Ich wollte es doch nur besonders gut machen, wirklich eine Musterhausfrau sein, an der es nichts auszusetzen

Die Wahrheit dürfte so aussehen: Täglich von 10 bis 20 Uhr galt, um in der Filmsprache zu reden, für "Frau Meyer" die Regieanweisung: "Achtung Aufnahme!" Das war für die schlichte Frau entschieden zuviel. Zum Star der Ausstellung wurde sie wider Willen. Die "Gläserne Wohnung", ohne Zweifel die Attraktion der Schau, drohte die kleine "Frau Meyer" zu erdrücken. Die durchsichtigen vier Wände wurden für sie zur Tortur. So brach sie zusammen.