Obwohl die Umsatzsteigerung bei der Deutsche Shell AG Hamburg, im Geschäftsjahr 1957, mit rund 6 v. H. auf 1,301 Mill. DM geringer war als in den Vorjahren, beurteilt die Gesellschaft die Aussichten der Mineralölwirtschaft in der Bundesrepublik auf längere Sicht so günstig, daß sie an ihrem umfangreichen Investitionsprogramm unvermindert festhalten wird. Der geringere Umsatzzuwachs wird auf die Auswirkungen der Suez-Krise zurückgeführt, die noch lange Zeit nach Wiederschiffbarmachung des Kanals spürbar waren. Die Tatsache, daß der Heizölverbrauch im vergangenen Jahr hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, wird auch von der Deutschen Shell AG mit einer zu pessimistischen Beurteilung weiter Verbraucherkreise über die Versorgungsmöglichkeiten nach der Suez-Krise begründet.

Im Berichtsjahr wurden 137,5 Mill. DM investiert gegenüber 92,4 Mill. DM im Vorjahr. Im laufenden Jahr dürfte dieser Betrag noch erheblich überschritten werden. Die Investitionen des Berichtsjahres, von denen 96,5 Mill. auf die Erweiterung der Raffinerie Hamburg und 13 Mill. auf Geländekäufe und Vorarbeiten für die geplante Raffinerie Godorf (zwischen Köln und Bonn) entfielen, wurden in erster Linie durch zwei Kapitalerhöhungen um je 50 Mill. (auf 350 Mill.) finanziert. Zur teilweisen Finanzierung der laufenden Investitionen wurde inzwischen eine 7 1/2prozenzige Anleihe von 125 Mill. DM aufgelegt. Im Zusammenhang mit dieser Anleihe wurden die bestehenden Schuldverhältnisse bereinigt: Angebot an die Inhaber der 4prozentigen Anleihe 1942/54 ihre Stücke gegen die 7 1/2prozentige Emission umzutauschen, Rückkauf von 29 Mill. der über 35 Mill. DM lautenden 8prozentigen Anleihe von 1952. Es ist vorgesehen, die am 1. Juli 1958 noch im Umlauf befindliche Restanleihe zur Rückzahlung am 1. 10. 58 zu kündigen. Einen guten Ruf hat sich daneben die Shell dadurch erworben, indem sie zusammen mit der Esso und der IG Farben AG i.A. den Inhaber der Anleihe der Hydrierwerke Pölitz, für die die genannten Gesellschaften die Bürgschaft übernommen hatten, ein faires Abfindungsangebot machte, obwohl dafür keine Rechtsverpflichtung bestand. Ein Beispiel, das leider bisher nicht nachgeahmt worden ist!

Bei einem mengenmäßigen Umsatz von 2,7 Millionen Tonnen und einem Bruttoerlös von 1,38 Mrd. DM erzielte die Gesellschaft einen Reingewinn von 3,6 Mill., von dem 1,135 Mill. der gesetzlichen Rücklage und 2,5 Mill. einer freien Rücklage zugeführt werden. -dt