Die Einfuhr und der Besitz von Gold sind in der Bundesrepublik für jedermann freigegeben. Fachmännisch ausgedrückt heißt das: das Gold ist liberalisiert. Diese vor etwa einem Jahr erlassene Maßnahme sollte mit dazu beitragen, eine Entlastung unserer Währungsbilanz zu bringen. Man hoffte, daß viele Sparer in der Bundesrepublik Goldbarren, Goldmünzen und Goldmedaillen erwerben würden, um auf diese Weise unsere kopflastige Devisenbilanz etwas auszugleichen. Wenn man heute die Bilanz zieht, dann muß man sagen, daß sich von dieser Seite her die Erwartungen, die mit der Goldliberalisierung verknüpft wurden, nur ungenügend erfüllt haben. Die relativ gute Stabilität der D-Mark macht eine „Anlage in Gold“ nicht zwingend notwendig. Nur wenige wollen im Augenblick auf die hohen Zinsen verzichten, die der deutsche Kapitalmarkt gegenwärtig bietet. Dennoch, meine verehrten Leser, erinnern Sie sich vielleicht, daß ich an dieser Stelle wiederholt zu erwägen gegeben habe, bei höheren Ersparnissen auch einen (wenn auch nicht allzu großen) Teil in Gold anzulegen. Über lange Zeiten hinweg hat sich der Goldbesitz gelohnt, allerdings nur insoweit, als er von der zeitweise verfügten Goldablieferungspflicht staatlicher Stellen nicht erfaßt worden ist. Sammlungen konnten im allgemeinen behalten werden!

Wenn ich heute das Gespräch wieder einmal auf das Gold bringe, dann möchte ich Sie etwas mit den Problemen vertraut machen, die sich aus den immer wieder auftauchenden Diskussionen über eine mögliche Heraufsetzung des Goldpreises ergeben. Ein solcher Schritt würde das Gold verteuern. Schlecht für diejenigen, die Gold erwerben wollen oder müssen; angenehm für alle die, die bereits über einen Goldbestand verfügen. Selbstverständlich haben die Gespräche über eine etwaige Erhöhung des Goldpreises die sogenannte Spekulation veranlaßt, etwas „auf Vorrat“ zu kaufen. Jedoch nennenswerte Folgen auf den Preis der gängigen Münzen hatte das bisher kaum.

Aber betrachten wir zunächst einmal die Rolle, die das Gold währungspolitisch in der Welt heute noch spielt. Im Jahre 1944 sind durch den damals gegründeten Internationalen Währungsfonds die Wechselkurse. der einzelnen Länder in eine konstante Beziehung zum Gold gesetzt worden, und zwar auf der Basis der Goldparität des Dollars. 1953 wurde festgelegt, den Dollar mit 4,20 DM zu bewerten.

Wenn die USA sich heute wehren, die Goldparität von 35 Dollar per Unze zu ändern, so hat dies zunächst rein währungspolitische Gründe. In Wirklichkeit hat sich allerdings der Wert des Dollars in den letzten 20 Jahren um rund 50 v. H. verschlechtert. Entsprechend sind die Preise für viele Artikel in den letzten 20 Jahren in den USA um 50 v. H. gestiegen. Von dieser Verringerung des inneren Wertes des Dollars als gesehen, müßte das Gold heute in den USA von 35 Dollar per Unze auf 52 per Unze heraufgesetzt werden. Vom Standpunkt der internationalen Liquidität spricht im übrigen sehr viel gegen eine Änderung der Goldparitäten.

Seit zwei Jahren drängen die Engländer beim Internationalen Währungsfonds, die Goldparität des Dollars zu ändern. Bis zum heutigen Tage haben sich jedoch die USA entschieden gegen eine Änderung gewehrt. Vielleicht ist der Hauptgrund darin zu suchen, daß man die Sowjet-Union mit einer wahrscheinlich sehr hohen Goldproduktion nicht in den Genuß des höheren Goldpreises bringen will. Aber auch die Südafrikanische Union tritt sehr energisch für eine Heraufsetzung des Goldpreises ein, da die Goldgewinnung bei einem Preis von 35 Dollar per Unze als unrentabel bezeichnet wird. Man sagt: Gold kann unmöglich das einzige Metall bleiben, das nicht den veränderten höheren Gestehungspreisen im Wert angepaßt wird. Ein Argument, das jedoch nicht unbedingt durchschlagskräftig ist.

Ganz gleich, wie das Tauziehen um eine Heraufsetzung des Goldpreises ausgehen wird, der Käufer von Gold in der Bundesrepublik hat sich schon heute genau zu überlegen, welche Goldmünzen von der Goldparität her am preiswürdigsten sind. Es ist begreiflich (aber nicht unbedingt vernünftig), daß bei uns das Hauptkaufinteresse auf die alten deutschen Goldmünzen gerichtet ist, nämlich auf die alten 20- und 10-Mark-Stücke. Statistische Erhebungen ergaben, daß im vergangenen Jahr über 800 000 Goldmünzen (für 40 Mill.) erworben worden sind.

Es ist unwahrscheinlich, daß alle diese Goldmünzen nun „echt“ im eigentlichen Sinne sind. Mit einiger Wahrscheinlichkeit handelt es sich vielfach um Nachprägungen, deren Goldgehalt allerdings dem der echten (Original-)Münzen entspricht. Man muß sich vergegenwärtigen, daß in Deutschland seit dem ersten Weltkrieg keine Neuprägungen mehr vorgenommen wurden. Die Nachprägungen stammen vermutlich aus Italien, da Italien auf Grund des Versailler Vertrages die deutschen Prägestöcke erhielt. Daß man es nicht immer verstand, damit geschickt umzugehen, zeigen einige Nachprägungen, die auf der Vorderseite das Kopfbild Kaiser Friedrichs tragen und gleichzeitig die Jahreszahlen 1874, 1883 oder 1887 zeigen. Friedrich Wilhelm III., der deutsche 99-Tage-Kaiser, regierte aber im Jahre 1888. Die Nachfrage nach deutschen Goldmünzen hat zu erheblichen Überpreisen geführt. Bei dem 20-Mark-Stück beträgt der Überpreis zum Goldgehalt etwa 50 v. H., beim 10-Mark-Stück sogar rund 200 v.H.

Bis zum nächsten Mal! Ihr Securius