Am kommenden Sonntag wird auf der Rennbahn von Hamburg-Horn wiederum das Deutsche Derby abgehalten. Wohl ein Dutzend Starter werden für diesen Kampf um das Blaue Band bei dieser wichtigsten Leistungsprüfung unserer Vollblutzucht antreten, Schwierigkeiten für die Trainer waren in diesem Jahr das durch den späten Frühling sehr verkürzte Training und die Vorverlegung des Derbys mit Rücksicht auf die Turnierreiter, die in Aachen und Hamburg-Kleinflottbek Ende Juni und Anfang Juli ihre großen Veranstaltungen haben.

Zu den vier Spitzenpferden des Vorjahres – den Hengsten Granit und Leichtsinn und den Stuten Niobe und Andrea – gesellen sich als zweijährige Anwärter; Grind, Wilderer, Agio, Ozean und Ivresse, ferner drei Pferde, die zunächst nicht als ernsthafte Konkurrenten galten: der Sieger im österreichischen Derby, Hiob, der Henckel-Sieger Pfalzteufel und Thiudar, der Halbbruder der „Wunderstute“ Thila.

Besonders bemerkenswert ist, daß Platzteufel und Thiudar aus kleinen Zuchten stammen. Ihre Züchter sind A. Schulze-Lohoff, der bei Münster eine Landwirtschaft betreibt und lediglich vier Mutterstuten besitzt, und W. Eichholz, der nur sechs Mutterstuten hält und doch schon innerhalb von nur zwei Jahren das zweite Pferd bester Klasse zu züchten vermochte.

Dieses bisher „Deutsches Derby“ genannte Rennen, das in diesem Jahr merkwürdigerweise erstmals „Derby-Meeting“ genannt wird, steht unter einem drohenden Zeichen. In diesem Jahr soll sich nämlich endgültig entscheiden, ob auch weiterhin, wie seit 89 Jahren, das Derby in Hamburg veranstaltet wird. Man klagt schon seit längerem über ein mangelndes Interesse des Publikums, des Hamburger Senats und der Bürgerschaft, und man erwägt, die Veranstaltung an eine andere deutsche Stadt zu vergeben. Ohne finanzielle Unterstützung kann der Hamburger Rennclub das Derby nicht länger durchführen.

Um die Senatskommission der Hansestadt von der Bedeutung des Rennens zu überzeugen, und davon, daß die Aufwendungen für das Derby durchaus tragbar für die Hansestadt sind, bedarf es an diesem Wochenende, Freitag bis Sonntag, eines besonders guten Besuches, vor allem auch von außerhalb. Schade, wenn Hamburg dieses traditionelle Rennen, das seit bald hundert Jahren zu ihm gehört wie „Michel“, Jungfernstieg mit Alsterpavillon, Dom und Reeperbahn, verlöre. Die großen Bahnen in Westdeutschland spekulieren schon insgeheim damit, das Deutsche Derby bei sich abzuhalten. W. F. K.