R. S., Bonn, im Juni

Nach dem Mißerfolg des Ministerialrats Fritsch wird ein neuer Kandidat für den Posten des Wehrbeauftragten gesucht. Bei der CDU sind viele verärgert, zumal diejenigen, die die ganze Institution für ein inzwischen überflüssig gewordenes Zugeständnis halten. Sie möchten am liebsten, nachdem der schwächliche Fritsch, den sie gerade noch toleriert hätten, gescheitert ist, überhaupt keinen Wehrbeauftragten wählen. Die Mehrheit des Hauses aber, eben erst gewarnt durch die Vorgänge in Frankreich, hält eine solche parlamentarische Kontrolle des rasch wachsenden militärischen Machtinstruments weiterhin für notwendig.

Wir schlagen vor, der Bundestagspräsident möge einen neuen Kandidaten nennen. Wenn Dr. Gerstenmaier, der hüben wie drüben – bei Regierung wie bei Opposition – Ansehen genießt, sich für die charakterliche und politische Eignung eines Kandidaten verbürgt, besteht Aussicht, daß ein solcher Vorschlag nicht von vornherein bei den beiden großen Parteien den üblichen Verdächtigungen ausgesetzt ist.