Von Gerhard Schubert

Im ersten Teil seiner Studie über die Auswirkungen nuklearer Energien auf das Erbgut des Menschen gab der Erbforscher und Kliniker Professor Dr. Gerhard Schubert, Ordinarius der Universität Hamburg, einen grundlegenden Überblick über mögliche Veränderungen der Erbstruktur unter dem Einfluß ionisierender Strahlungen. Welche Umweltveränderungen unserer Zeit es sind, die solche Strahlungsgefahren in sich bergen – diese Frage ist das Thema des zweiten, hier abgedruckten Teils.

Immer ist der Mensch – wie überhaupt jedes Lebewesen – einer schwachen ionisierenden Strahlung ausgesetzt, die den natürlichen Strahlenquellen seiner täglichen Umwelt entstammt. Es handelt sich dabei zunächst um die kosmische Strahlung. Weitere natürliche Strahlenquellen sind die radioaktiven Ausstrahlungen der Erdmineralien, der Flüsse und Ozeane, aber auch der atmosphärischen Luft. Ja, der menschliche Organismus selber besitzt als unvermeidbare Bestandteile seiner Bauelemente strahlende Stoffe wie radioaktives Kalium, so daß wir ständig, von außen und von innen her, in einem radioaktiven Milieu leben.

Die durchschnittliche Strahlenbelastung der Organismen durch die gesamte Grundstrahlung dürfte 100 bis 150 Milli-Röntgen betragen. Umgerechnet auf eine Generationszeit von dreißig Jahren würde sich der Gesamtbetrag der natürlichen Umweltstrahlung auf etwa 3 bis 4,5 Röntgen belaufen.

Die natürliche Umweltstrahlung müssen wir als unvermeidbar hinnehmen. Alle zusätzlichen Strahlenbelastungen können auf die Grundstrahlurig bezogen und in Prozenten der natürlichen Belastung angegeben werden.

Zu solchen zusätzlichen Strahlenbelastungen gehören Zivilisationseinrichtungen, die nicht nur Nutzen bringen, sondern auch eine Gefahr für das menschliche Erbgut darstellen.

Das gilt in erster Linie für die Anwendungen ionisierender Strahlungen in der medizinischen Diagnostik und Therapie. Bei Röntgenaufnahmen im Bereich der Harnwege, des Beckens, der Lendenwirbelsäule und der Hüfte werden recht erhebliche Strahlenmengen wirksam, während Röntgenaufnahmen der Lunge kaum die Keimdrüsen belasten.