Markise rot-weiß täuscht Süden vor. "Na, was trinken wir?" fragt Ilona den Herrn mit der randlosen Brille, der ein Journal auf den Bartisch gelegt hat. "Tom Collins – einen." Kalypso mit Schönheitstänzen. Markise, Journal. Ilona: "Trinkt der Herr noch etwas?" – "Ein Glas Wasser, bitte." Ilona zum Keeper: "Feine Gäste heute. Zweite Bestellung Leitungswasser." Die randlose Brille: "Schade, Fräulein Ilona. Sie scheiden schon aus." "–?–" "Ich vermittle Barfrauen und Mannequins für international anerkannte Häuser. Mein erster Test ist das Glas Wasser. Eine gute Barfrau serviert es genauso höflich wie Champagner. Die Rechnung, bitte."

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König der hufeisenförmigen Bar ein schlanker Neger aus Trinidad. Legt Eis ins Glas und Platten aufs Grammophon: Cha-Cha-Cha wiegend und lächelnd. An den Wänden abstrakte Originale, dies ist eine Privatgalerie, ihre Gegenständlichkeit: der Alkoholumsatz. Paar Stammgäste, die unter den Rohrmatten und Rumflaschen irgend etwas immer wieder vergessen. Ein Ballettmädchen süß mit dem akkurat-bescheidenen Mann vom Werbefernsehen. Der Abendredakteur nach der Schicht, müde, zwei englische Malmädchen, trampligalbern.

Im silberweißen Haar der Lokaldichter beim achtzehnten Kognak, er erzählt, gleich, wer da zuhört und ob. Nacht für Nacht fängt das zögernd an, synkopierend tropft zusammen, quirlt und brodelt seine Zeit, ebbt und versiegt.

Diese Skizze erscheint jetzt in einem Sammelbändchen von Thilo Koch: "Berliner Luftballons" (Langen/Müller Verlag, München, 5,80 DM).