le gendarme amour qui pisse si vite.

Hört sich das für uns heute weniger idiotisch an als für unsere Väter und Großväter? Und ist diese Strophe nicht noch eine der mildesten, da doch gewisse Worte und Sinnzusammenhänge in ihr verständlich bleiben?

Über solche offensichtliche "Verrücktheit" ist auch heute gar nicht hinwegzusehen. Und ich glaube, ein rechter Dadaist dürfte auch nicht wollen, daß wir darüber hinwegsehen. Er will ja ver-rücken. Er will die Grenzen eines offenbar nicht mehr intakten Bewußtseins sprengen und in archaische Welten vordringen. Wer die Selbstzeugnisse jetzt liest, dem wird sehr klar, daß die Wurzeln von Tristan Tzara und den Seinen im "Unbehagen an der Kultur" liegen und daß auch die Dadaisten – freilich auf ihre Weise – nichts anderes vorschlagen zur Rettung des Abendlandes als den Kopfsprung ins Irrationale.

Dasselbe hatte Sigmund Freud zwanzig Jahre zuvor auch schon angeregt, wenn er sich freilich auch bei diesem Kopfsprung ins Unvernünftige der Vernunft bedienen wollte. Dasselbe hat knapp ein paar Jahre zuvor ein junger Gymnasiast aus Hirschberg namens Georg Heym vorgeschlagen, nur daß sein Sprung ins Ungewisse mit einem poetischen Rüstzeug erfolgte, das im Chaos der Unterwelt besser standhielt als die Begabung der Dadaisten. Und Jahre später wird von einem Existenzphilosophen, Martin Heidegger, wieder vorgeschlagen werden, doch ja den schwachen Leuchtkreis der sogenannten Vernunft zu verlassen und in die "tiefen Schichten" einzudringen. Zurückblickend erscheint es manchmal, als ob gerade die besten jener Generation sich der alltäglichen Vernunft nicht schnell genug hätten entledigen können. Uns steht es nicht zu, sie deswegen zu tadeln.

Jetzt, im Alter, sind die Stürmer und Dränger des Dada, die aus dieser Gruppe der radikalen Erneuerer vielleicht die liebenswertesten sind, weil sie inmitten der Revolution etwas Verspieltes behielten, weil inmitten scheinbarer Anarchie der Boden einer gewissen Lebenstüchtigkeit und eines Nicht-ganzernst-nehmens eigener Dinge nie verlassen wurde, jetzt also sind sie – wie ihr Erinnerungsbuch beweist – vernünftig, ja sogar ein wenig sentimental geworden.

"An diesem Tag, als man die Baumkronen im Central Park nicht mehr sehen konnte und sich die Herzen der Menschen mit einem universalen, nicht mehr zu definierenden Dunst füllten, kamen keine Patienten. Ich saß hinter meinem leeren Sofa und zählte die Ringe der Stoffmuster", so beginnt Richard Huelsenbeck seine Erinnerungen. Und er fährt fort: "Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück, und ich begann von dem Nachmittag zu träumen, als wir Hugo Ball zu Grabe trugen ... Er war mein Freund... ‚Was wir alle wollten‘, sagte Hugo, war nicht der Dadaismus. Der Dadaismus war etwas, wovon die Menschheit profitieren sollte... Es ist das Leben, das hinter allem steht, und der Ulk war nur eine Funktion des Lebens.‘ "

Sie wollten erschrecken. Aber ihr Schrecken lag dann doch nicht so sehr im Reich des Unbewußten, wie es ihr Grundansatz versprach. Die Vernunft schlich sich durch eine Hintertreppe wieder in den Dadaismus ein und machte sich im Cabaret Voltaire, das sie in Zürich gründeten, und in vielen Versen bemerkbar: