Kaum hatten wir dem Mann die Hosen abgezogen, stand er da, in Fülle und erstaunt über soviel Begeisterung, und er sagte errötend: "Wie können Sie?" Und wir sagen, wer will, der kann auch, und die beste Tugend ist Tüchtigkeit, wenn man es richtig ansieht. Und der Mann sagte, es sei gut, und wir schüttelten uns die Hände.

Das ist hübsch überpointiert und vergleichsweise harmlos, denkt man an Gottfried Benns frühe Gedichte. Dennoch sind diese Verse (sie sind übrigens von Huelsenbeck, was aber gar nicht so wichtig ist, da die Dadaisten auch in Gruppen dichteten und auf individuelle Autorenschaft keinen so großen Wert legten) eine Marginalie zur Zeit, eine kleine, aber nicht wegzuwischende Wolke am Himmel europäischer Götterdämmerung. Wie jedoch den meisten Wölkchen am Literaturhimmel, so war auch diesem große Wirkung nicht beschieden. Als der Dadaismus sich nach Frankreich verlagerte, ging er sehr bald in den bedeutenderen Surrealismus über, und als die deutsche Dichtung sich nach zwölfjährigem Schlaf erholte, da zeigte sich, daß den Lyrikern hierzulande die kraftvollen Expressionen Heyms und Benns oder die frühexpressionistische Melancholie des in seiner Sanftheit starken Trakl zum Schöpfen eigener neuer Verse näher standen als das Werk der verspielten Revolutionäre aus Zürich.

Mit einem Ulk hatten sie beginnen wollen, und der Historiker wird es einst als Ulk katalogisieren. Wenn er aber Humor hat (und wer braucht wohl mehr Humor bei seiner Arbeit als ein Historiker?), so wird er wissen, was ein recht gezielter Ulk bedeuten kann: nämlich Ferment zu sein für etwas Neues, das einmal kommen muß und dem man dann nicht mehr ansehen wird, wer alles an seinem Entstehen beteiligt war.