Verkauf von Bundesablösungsanleihen

Mit großem Interesse lese ich jeweils in dem Wirtschaftsteil Ihrer Zeitung die Beantwortungen von Leserfragen unter der Rubrik „Der Leser fragt...“.Ich erlaube mir nun, Sie zu bitten, mir in der folgenden Angelegenheit einen guten Rat zu geben.

Etwa im Jahre 1940 kaufte ich – zwangsläufig, da andere Obligationen am Wertpapiermarkt nicht zu erhalten waren – über meine Bank einige 10 000 Mark

4 1/2 %ige deutsche Reichsschatzanweisungen von 1937, desgleichen von 1940 und Deutsche Reichsbahnanleihen von 1940.

Auf wiederholte Anfragen vertröstete mich meine Bank von Jahr zu Jahr auf die endgültige Regulierung der Reichsschulden (die Papiere liegen bei der Bank).

Ich möchte Sie nun um den Rat bitten, was ich am vernünftigsten mit diesen Papieren, die mir dem Vernehmen nach ja auch bei endgültiger Regulierung nur einen Bruchteil der mir zustehenden Zinsen bringen werden, machen soll. Dr. W. S., Hamburg

Antwort: Die Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg v. d. H. hat inzwischen Gutschriften für die neue Bundesablösungsanleihe in Höhe von 36 Mill. DM erteilt. Dabei handelt es sich um eine erste Quote zur Befriedigung von Ansprüchen aus dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz, die laufend erhöht werden soll. (Alte Reichsanleihen werden im Verhältnis 10:1 in Stücke der Bundesablösungsanleihe umgetauscht.) In absehbarer Zeit ist damit zu rechnen, daß die Bundesablösungsanleihe zum Börsenhandel zugelassen wird, womit sich eine bessere Verwertbarkeit für die Inhaber der Stücke ergibt. Ein Verkauf ist allerdings heute schon möglich. Im Freiverkehr nennt man einen Kurs für die Bundesablösungsanleihe, deren Zinsen von jährlich 4 v. H. steuerfrei sind, von 106 v. H. Darin sind 12 v. H. rückständige Zinsen enthalten.

Ihre Frage, ob Sie Ihre Stücke verkaufen sollen, läßt sich nur ganz allgemein beantworten. Sie müssen nämlich steuerliche Gesichtspunkte beachten. Ziehen Sie die 12 v. H. Zinsrückstände ab, dann ergibt sich ein Kurs von 94 v. H. Er liegt auf gleicher Höhe wie vergleichbare Pfandbriefe. Die steuerfreie Rendite beträgt also rund 4,3 v. H. (ohne Berücksichtigung der Tilgung). Verfügen Sie über ein höheres Einkommen (mit entsprechender Steuerprogression), dann sollten Sie ruhig Ihre Stücke behalten, andernfalls ist Ihnen der Erwerb 7prozentiger Anleihen zu empfehlen. Im Kurs der Bundesablösungsanleihe sehen wir gegenwärtig kein Risiko.