Trotz der völlig veränderten Situation im Schiffbau, die durch den Frachtenrückgang entstanden ist, wird die Deutsche Werft AG, Hamburg, auf Grund des jetzt vorliegenden Auftragsbestandes, der auf 1 Million tdw beziffert wird, noch für rund drei Jahre vollbeschäftigt sein. Im letzten Jahr wurden für rund 300 000 tdw Schiffsraum abgeliefert. Das ist die höchste Ablieferung, die jemals auf einer Werft erzielt worden ist. Die neue Lage hat sich bei dem Unternehmen nur insofern ausgewirkt, als Konzessionen in den Lieferterminen gemacht werden mußten. Der Auftragsbestand ist jetzt stärker auseinandergezogen, wodurch interessierten Reedern die Möglichkeit gegeben ist, für 1959, 1960 und 1961 noch Aufträge zu placieren. Davon hat in den letzten Tagen eine deutsche Reederei mit der Bestellung von zwei schnellen Fruchtschiffen Gebrauch gemacht.

Angesichts der Vollbeschäftigung der Werft, die nun schon mehrere Jahre anhält, war die Ertragslage günstig. Sie kommt nur zum Teil in der auf 12 (10) v.H. erhöhten Dividende zum Ausdruck. Daneben wurden 2,4 Mill. DM der freien Rücklage zugeführt. Damit werden bei einem AK von 12 Mill. DM rund 22,3 Mill. DM offene Rücklagen ausgewiesen. Bei diesem Verhältnis lag die Frage auf der Hand, wie sich die Verwaltung zur Ausgabe von Gratisaktien stellt. Der AR-Vorsitzende, Dr. Hermann Reusch, konnte sich auf der HV die Antwort leicht machen, indem er erklärte, daß darüber erst gesprochen werden könne, wenn das entsprechende Gesetz verabschiedet worden ist. Auf einer Pressekonferenz hatte sich der Alleinvorstand der Werft, Dr.William Scholz (er gründete vor 40 Jahren die Deutsche Werft und hat seither ihre Leitung inne), zu diesem Problem geäußert und gemeint, daß den Aktionären ein unmittelbarer Vorteil deshalb nicht entsteht, weil dadurch die zur Verfügung stehende Gewinn nicht vergrößert wird. „Wenn mehr verdient wird, wird auch mehr ausgeschüttet!“ – so waren seine Worte.

Im übrigen unternimmt die Werft alle Anstrengungen, um auch in den kommenden Jahren allen Anforderungen – insbesondere im Großschiffbau – gerecht zu werden. Im Mittelpunkt des Investitionsprogramms steht der Bau eines Großhelgens, der noch in diesem Jahr fertiggestellt wird und auf dem praktisch Schiffe jeder Größe gebaut werden können. – dt