Mit der Liberalisierung des Kapitalimportes soll es nunmehr ernst werden. Für die nächsten Tage sind einige einschlägige „Allgemeine Ermächtigungen“ der Deutschen Bundesbank zu erwarten.

An sich spricht die nach wie vor überschüssige Zahlungsbilanz der Bundesrepublik nicht dafür, die gegen eine Kapitaleinfuhr aufgerichteten administrativen Hürden zu beseitigen. Im Interesse einer Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs aber will man in Bonn und in Frankfurt solche Bedenken beiseite schieben. Man kann schließlich auch nicht erwarten, daß sich das innerdeutsche Zinsniveau dem des Auslandes anpaßt, solange ein freier Markt durch Devisenbestimmungen unmöglich gemacht wird.

Die Bestimmungen werden voraussichtlich vorsehen, daß Ausländer deutsche Wertpapiere frei nur gegen harte Währung erwerben können. Das gleiche gilt von Krediten, die das Ausland der deutschen Wirtschaft einräumen will. Hier wird insofern noch eine weitere Bremse eingebaut werden, als solche Kredite grundsätzlich über D-Mark lauten sollen. Zur Aufnahme von Valutakrediten wird es weiterhin einer besonderen Genehmigung bedürfen. Das hat seine guten Gründe; in Teutschland sind private und öffentliche Stellen mit den Tücken der Valutaschulden noch nicht wieder recht vertraut.

Bei der Kapitaleinfuhr, die unmittelbar der wirtschaftlichen Verflechtung dient, werden die neuen Bestimmungen wesentlicher liberaler sein. So will man bei dem Erwerb von Grundstücken und Beteiligungen durch Ausländer keinen Unterschied machen, ob hier die entsprechenden Zahlungen in weicher oder harter Währung erfolgen. Für diese Kapitaleinfuhr soll volle Freiheit bestehen.

Alles in allem bedeuten die vorgesehenen allgemeinen Genehmigungen einen wesentlichen Schritt nach vorn. Wie groß seine praktische Bedeutung für die Zukunft sein wird, hängt allerdings davon ab, wieweit die (ihren heimischen Devisenbestimmungen unterliegenden) Ausländer die Freiheit haben werden, Kapital in die Bundesrepublik einzuführen. W. R.