In all jenen Jahren habe ich niemals irgendeine, auch nicht die geringste Funktion in der Partei wahrgenommen; ich habe niemals das Vertrauen einer Parteistelle besessen; ich bin infolgedessen niemals zu irgendeinem der von der SED inspirierten „Gesamtdeutschen Gespräche“, „Friedenstagungen“, Schriftstellerkongressen oder was immer es war, delegiert worden. Selbstverständlich habe ich in keiner der sogenannten Volksvertretungen – Volkskammer, Länderkammer, Berliner Abgeordnetenhaus oder den Massenorganisationen – Sitz oder Stimme gehabt; mir ist keiner der schier zahllosen Ehrentitel, Preise, Orden, öffentlichen Auszeichnungen zuteil geworden, ja, ich bin nicht einmal eines Aktivistenabzeichens gewürdigt worden, das mittlerweile an fast zwei Millionen Menschen drüben ausgeschüttet worden ist – ein Rekord des Mißtrauens und der Mißachtung von Seiten der Partei, der wohl für sich selber spricht...

Alle meine Veröffentlichungen geben Aufschluß über meinen seit 1949 fortschreitend stärker akzentuierten Widerstand gegen die Gewaltherrschaft des SED-Partei- und Regierungsapparates. Seit dem 17. Juni 1953 hat dieser Widerstand gewagte Formen angenommen. Als ein Beispiel wähle ich meine in der vielgelesenenBerliner Zeitung veröffentlichten Artikel: „Gewissen und Mahner des Volkes“ (14. Juni 1956) und „Friedenstüchtigkeit“ (19. Sept. 1956), in denen der Aufruf zu unnachgiebiger Opposition gegen das Terror-Regime für jeden Denkenden in der Zone unüberhörbar war und deren weite, nachhaltige Wirkung mich mit Genugtuung erfüllen dürfen.

Nun hat der verantwortliche Gutachter meines Antrages auf Anerkennung als Flüchtling Anstoß daran genommen, daß ich mich in diesen Aufsätzen formaliter unter Berufung auf den seinerzeitigen Parteichef Thälmann verschanzt habe. Das ist eine Frage von so grundsätzlicher Bedeutung, daß ich ein Wort dazu sagen muß. Man kann doch unter den Bedingungen einer totalitären Diktatur – sei sie Hitlerscher, Stalinscher oder Ulbrichtscher Prägung – Opposition mit dadurch äußern, daß man „Nieder mit Hitler“ oder „Nieder mit Stalin“ schreibt; das wäre doch Wahnsinn. Es könnte nie veröffentlicht, nie von denen, auf die man einwirken will, gehört oder jelesen werden. Man muß sich dann tarnen, um ein Zeichen geben zu können ...

Auch darauf darf ich mich wahrhaftig mit einigem Stolz berufen, daß unter der sogenannten „Ungarn-Resolution“ des Schriftstellerverbandes, das heißt der Beschimpfung und Verleumdung der ungarischen Freiheitskämpfer, mein Name als einziger fehlt – und das ist leichter gesagt, als es getan war. Von diesem Zeitpunkt an hatte ich jeden Tag und jede Nacht mit meiner Verhaf-