Nach Überwindung einiger Hindernisse können die neuen Steuergesetze nunmehr in Kraft treten, Solange noch keine Ausführungsbestimmungen dazu vorliegen, ist es zwar zu früh, praktische Konsequenzen aus der veränderten Gesetzeslage ziehen zu wollen, doch möchte ich Sie noch vor dem 30. Juni 1958 auf eine wichtige Möglichkeit hinweisen, die sich steuerlich günstig für Sie auswirken wird, wenn Sie noch Platz in Ihren Sonderausgaben haben. Schließen Sie nämlich bis zum 30. Juni einen „Allgemeinen Sparvertrag“ mit Ihrer Bank oder Ihrer Sparkasse ab, dann gib die jetzt noch drei Jahre laufende Sperre bereits vom 1. Januar 1958 an. Sie können deshalb über Ihr Guthaben schon am 1. Januar 1961 (d. h. nach 2 1/2 Jahren) wieder verfügen. Prüfen Sie, ob Ihre Sonderausgaben schon voll ausgenutzt sind und bedenken Sie dabei, daß die neuen Steuergesetze eine Heraufsetzung des Freibetrages für Sonderausgaben auf 1100 DM vorsehen, Der Abschluß „Allgemeiner Sparverträge“ geht jetzt noch nach den alten Bedingungen (also dreijährige Sperre). Ob das später auch noch so sein wird, ist offen. Der Gesetzgeber spielt mit dem Gedanken, das steuerbegünstigte Sparen insofern zu erschweren, als er die Sperrfrist auf fünf Jahre ausgedehnt haben möchte. Dieser Nachteil wird durch das Sparprämiengesetz kaum ausgeglichen.

In diesen Tagen bin ich aus Ihrem Kreis, meine verehrten Leser, häufig gefragt worden, ob das steuerbegünstigte Sparen von der Ertragsseite her günstig ist. Dabei spielten oftmals die Befürchtungen eine Rolle, daß der Zinssatz für Sparguthaben in Zukunft eine Herabsetzung erfahren wird. Ich bin der Meinung, daß sich ein solcher Schritt – trotz des heftigen Widerstandes der Sparkassen – nicht verhindern läßt. Aber gerade für das steuerbegünstigte Sparen ist der Zinssatz nicht das Ausschlaggebende. Wenn Sie nämlich – natürlich jeder für seine steuerliche Lage gesondert – ausrechnen, was Sie durch die Ausnutzung der Sonderausgaben an Steuern gespart haben und diesen Betrag den Zinsen hinzurechnen, dann kommen Sie – besonders bei mittleren und höheren Einkommen – zu Zinssätzen, die Sie sonst nirgends erzielen können. Der Trend des sinkenden Zinses sollte deshalb niemanden abhalten, noch einen „Allgemeinen Sparvertrag“ abzuschließen. Noch einmal zu Ihrer Orientierung: Ein „Allgemeiner Sparvertrag“ ist ein zwischen einer natürlichen Person und einem Kreditinstitut geschlossener Vertrag, in dem sich der Sparer verpflichtet, einen auf einem Sparbuch eingezahlten Betrag auf die Dauer von drei Jahren festzulegen. Die Sperrfrist läuft vom 1. Tag des Kalenderhalbjaires ab, in dem die Zahlung tatsächlich geleistet wurde. (Der Abschluß von Sparverträgen mit festgelegten Sparraten ist nicht mehr möglich!)

Wer sich mit dem Zins für Spareinlagen nicht zufrieden geben will, kann Wertpapiere (Pfandbriefe) erwerben, die zum steuerbegünstigten Wertpapiersparen zugelassen sind. Dabei handelt es sich um Papiere, die einer Ausgabe angehören müssen, die vor dem 1. April 1957 genehmigt worden sind. Daraus geht schon hervor, daß solche Papiere nicht mehr allzu reichlich vorhanden sein können. In Frage kommen noch einige 6prozentige Pfandbriefe zum Ausgabekurs „nicht unter 94 v. H.“ und 7prozentige Schiffspfandbriefe, die teilweise noch zu 99 1/2 erhältlich sind. Ihr Kreditinstitut wird Ihnen die Pfandbriefe sicherlich beschaffen können. Die Sperrfrist läuft hier allerdings vom Tag des Kaufes an. Also ergibt sich immer die volle dreijährige Sperrfrist.

Man kann allerdings die Sperrfrist über folgenden Umweg abkürzen: Schließen Sie zunächst einen „Allgemeinen Sparvertrag“ (bis zum 30. Juni 1958) ab. Aus dem eingezahlten Guthaben kann dann der Erwerb von Wertpapieren erfolgen. Bei einer solchen Umwandlung bleibt die schon in Anspruch genommene Steuervergünstigung aufrechterhalten. Für den Kreis der zugelassenen Wertpapiere und deren Festlegung gelten die gleichen Vorschriften wie beim direkten Kauf. Eine Besonderheit, und auf die kommt es mir hier an, ergibt sich nur für die Sperrfrist von drei Jahren. Diese beginnt mit dem Tag, an dem das Guthaben eingezahlt worden ist, wobei bei „Allgemeinen Sparverträgen“ die Rückbeziehung auf den 1. Tag des Kalenderhalbjahres anwendbar bleibt. Gehen Sie diesen Weg, dann liegen Ihre Pfandbriefe ebenfalls praktisch nur 2 1/2 Jahre fest.

Zum Schluß noch ein Hinweis: Weder die Zinsen der 6prozentigen noch die der 7prozentigen Pfandbriefe können ohne weiteres steuerfrei vereinnahmt werden. Sie sind nämlich tarifsteuerpflichtig. Für Lohnsteuerpflichtige, die nicht zur Einkommensteuer veranlagt werden Jahresverdienst von unter 24 000 DM jährlich), sind die Zinseinkünfte daraus jedoch dann steuerfrei, wenn sie zusammen mit anderen Nebeneinkünften den Betrag von 600 DM nicht übersteigen. Durch das neue Steuergesetz soll diese Freigrenze auf 800 DM jährlich heraufgesetzt werden.

Ich hoffe‚ daß Ihnen diese Hinweise nützlich sein können! Ihr Securius