Er schont sich nicht; er tut alles, was sich ihm bietet. Er spielt vor den Gästen des "Groben Gottlieb" die Rolle des letzten Berliner Droschkenkutschers; er fährt die Huren mit ihren Kunden zu den Absteigehotels; sogar im Krankenhaus, das seine älteste Tochter als Oberin leitet, läßt er sich anstellen: die letzte Station seines Niederganges.

Aber dann erzwingt sich der "eiserne Gustav" einen großen Operettenabgang: eine Droschkenfahrt von Berlin nach Paris und wieder zurück.

Fallada erzählt all diese Ereignisse eng bezogen auf die politischen Verhältnisse der Zeit, auf Krieg, Revolution, Inflation und Parteienstreit. Er reflektiert das persönliche Schicksal seines Helden in das des deutschen Volkes und umgekehrt.

Und wie der eiserne Gustav seinen Niedergang im letzten Augenblick stoppen kann, so beginnt auch für Deutschland eine neue Zeit. Vater Hackendahl wird von seinem jüngsten Sohn für die Sache des Nationalsozialismus überzeugt, und mit der Aussicht auf das ‚Morgenrot‘ einer neuen Geschichte endet der Roman in der Lesart von 1938.

In der Neufassung des Buches fehlt dieser Schluß. Der aus Paris zurückgekehrte "eiserne Gustav" erkennt trotz des Rummels, den die Berliner seinetwegen machen, daß er ein einsamer alter Mann ist, der nicht mehr in die Zeit paßt.

Eine entscheidende Veränderung, die aber immerhin noch auf der Linie Falladas liegt, wenn man an "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt" und "Wolf unter Wölfen" denkt.

Höchst angreifbar jedoch ist, daß die Revision des Romans postum geschieht und ohne die Rückversicherung durch ein Manuskript oder durch Aufzeichnungen, aus denen hervorginge, die jetzt hergestellte Fassung sei die vom Autor beabsichtigte und das Buch von 1938 nur ein Produkt des Zwangs.