Auch das Nachwort des Blüchert Verlages ändert an diesem grundsätzlichen Einwand nichts, denn kein Lektorat und kein Bearbeiter kann mit noch so großer redaktioneller Sorgfalt die Entscheidung des Autors rückgängig machen. Denn daß Fallada in seinem Roman Konzessionen gemacht hat – gleichgültig, ob sie ihm schwer oder leicht fielen – ist eine Entscheidung. Daß der Verfasser später bei den Machthabern in Ungnade fiel und unerwünscht war, macht diese Entscheidung nicht rückgängig, zumal Falladas politische Haltung sich nicht klar fixieren läßt.

Der Verlag hätte also besser daran getan, auf dieses Buch zu verzichten. Da das aber nicht geschah, sondern ein Bearbeiter, Peter W. Tügel, damit beauftragt wurde, "den Roman von den Schlacken der dreißiger Jahre zu befreien", muß hier noch auf das angewandte redaktionelle Verfahren eingegangen werden.

Nach einem Vergleich der beiden Ausgaben läßt sich generell sagen: der Übereifer, mit dem heikle oder scheinbar heikle Passagen ausgemerzt wurden, verrät die Fragwürdigkeit des ganzen Unternehmens. Dafür einige Beispiele:

In der Ausgabe von 1938 sagt ein Leutnant über den Krieg (es handelt sich um den ersten Weltkrieg): "Wenn dieser Krieg einen Sinn haben soll, so muß etwas Neues, etwas Lebendiges aus ihm kommen." Obwohl die Bemerkung durchaus stilecht ist, wurde sie in der Neufassung unterdrückt.

In der Ausgabe von 1958 heißt es an einer Stelle: "‚Und wissen Sie denn, was das ist: Krieg?‘ rief Erich. ‚Ich weiß es. Dieser Krieg ist sinnlos, er ist ein Verbrechen. Seit meiner Jugend habe ich für den Arbeiter gekämpft, ich habe noch die schweren Jahre mitgemacht, als es ein Verbrechen war, Sozialdemokrat zu sein‘." – Fallada, weit weniger bekenntnisfreudig als sein Bearbeiter, schreibt dagegen: "‚Und wissen Sie denn, was das ist: Krieg rief Erich. ‚Ich weiß es. Seit meiner Jugend habe ich für den Arbeiter gekämpft, auch das war ein Krieg, es gab alle Tage Tote, Verstümmelte‘."

Besonders aufschlußreich auch, wenn aus einem "Und du nennst dich Sozialist" (1938) ein "Und du hast dich Revolutionär genannt" wird und wenn ein Nazi sich in einen Nachtwächter verwandelt.

Bei Fallada kommen die Sozialdemokraten schlecht weg. Daß er sie 1938 nicht ausdrücklich loben konnte, ist zu verstehen. Daß er aber einen ihrer Abgeordneten homosexuell sein läßt und ihn mit allen möglichen kriminellen Vorzeichen belastet, wird durch die Verhältnisse kaum gerechtfertigt. In der Neuausgabe sind diese faux pas sorgfältig getilgt.