In Luzern haben Frauen ein Komitee gebildet, das sich zur Aufgabe gesetzt hat, gegen das Frauenwahlrecht zu agitieren, über dessen Einführung in der Schweiz im nächsten Herbst eine Volksabstimmung entscheiden soll. Eine Abstimmung übrigens, an welcher nur die Männer teilnehmen dürfen. Das Schweizer Frauenkomitee will also den – im allgemeinen – natürlichen Widerstand der Männerwelt gegen den politischen Mitbestimmungsanspruch der Frauen unterstützen. Ein Faktum, das aufhorchen läßt.

Was sagen diese Frauen zur Begründung ihres, wie es scheinen möchte, naturwidrigen Verhaltens? Sie sagen: Frauen wählen entweder wie ihre Männer – dann ist ihre Beteiligung an der Wahl, am politischen Leben überhaupt, überflüssig. Oder sie vertreten eine eigene politische Meinung – dann droht dem Familienleben der Ruin.

Diese Argumentation soll hier nicht weiter auf ihre Stichhaltigkeit untersucht werden. Allein die Tatsache, daß Frauen so viel Bedenkliches, oder sagen wir: Bedenkenswertes an der Sache finden, daß sie den modernen Ansprüchen der Frau nicht nur mit kritikloser Begeisterung, zustimmen, sondern immerhin eine Problematik darin erkennen – das spricht so sehr für ihre Klugheit, daß man wünschen möchte, ihre Sache erlitte Schiffbruch und – sie dürften nicht bloß wählen, sondern auch gewählt werden! Merker