S. L., Berlin

Berlin, nicht nur als politischer Magnet, sondern auch als Städtebauproblem, ist noch immer eine Attraktion. Das zeigte sich, als der Senat von Berlin zusammen mit der Bundesregierung einen Wettbewerb ausschrieb, der Architekten und Städteplaner in aller Welt zur Neuplanung der Berliner City aufrief.

Im Oktober 1955 vom Bundestag beschlossen, im März 1957 ausgeschrieben und bis 1. Februar dieses Jahres befristet, stellte der Ideen-Wettbewerb „Hauptstadt Berlin“ eine Aufgabe, wie sie in Europa bisher noch nicht dagewesen ist: die umfassende Planung des Zentrums einer künftigen Hauptstadt auf dem Reißbrett. Zehn Quadratkilometer umfaßt das geplante Areal, das vom Tiergarten bis zum Alexanderplatz reicht, ein Gelände, das zu zwei Dritteln im Sowjetsektor liegt.

Unter den preisgekrönten Entwürfen und denen, die in die Spitzengruppe der Entscheidung gelangten, sind Arbeiten aus London, Wien, Paris, Florenz. Auch Architekten aus der Sowjetzone haben an dem Preisausschreiben teilgenommen, obwohl ihr Berufsverband seinen Mitgliedern die Teilnahme untersagt hatte.

Wie lange die Pläne, die jetzt in einer Ausstellung am Funkturm der Öffentlichkeit gezeigt werden und in denen sich die städtebaulichen Erfahrungen der letzten Jahre in Ideen und Anregungen kondensieren – wie lange diese interessanten Entwürfe Zukunftsmusik bleiben müssen, vermag niemand zu sagen. Die Ausschreiber des Wettbewerbs sind den Tatsachen weit vorausgeeilt; sie haben ein wiedervereintes Berlin als Hauptstadt eines ungeteilten Deutschland vorausgesetzt.