DIE ZEIT

Österreich und das Blutgericht

Als ich vor kurzem an der ungarischen Grenze war, sah ich, wie ein Landarbeiter auf österreichischer Seite von einem der ungarischen Wachtürme aus beschossen wurde.

Befriedung für Zypern?

Die griechische und die türkische Regierung haben den britischen Zypernplan bereits abgelehnt; die Sprecher der beiden Volksgruppen auf der Insel, der noch immer verbannte Erzbischof Makarios und der Minderheitenführer Dr.

Leder – sehr national

Wie ein Imperator des Mittelalters, so schleppt der moderne "König Fußball" Narren und Schellenträger im Gefolge. Und es scheint, daß unsere lieben Landsleute es dabei am eifrigsten treiben: das Johlen, das Schellen, das Plärren auf heiseren Trompeten .

Koexistenz im Libanon

Wer im März dieses Jahres, als der ägyptische Staatspräsident Nasser in Damaskus den Triumph der Vereinigung seines Landes mit Syrien feierte, die vielen libanesischen Fahnen sah, die bei den Demonstrationen mitgeführt wurden, bekam eine Vorahnung von dem, was sich jetzt im Libanon abspielt.

Italiens neuer Kurs

Rascher als allgemein erwartet, zeichnet sich in Italien nach den Parlamentswahlen eine neue Regierungskoalition ab. Der italienische Staatspräsident Gronchi hat am Mittwoch Amintore Fanfani, den Generalsekretär der Democrazia Christiana, mit der Bildung der neuen italienischen Regierung beauftragt.

ZEITSPIEGEL

"Solche Argumente, wie, man müsse Vertrauen haben zur Lauterkeit der Absicht Andersdenkender, oder wir müssen aus der Zeit des Hasses und der Gewissenlosigkeit heraus zu neuen Idealen und Zielen, die die Würde des Menschen sichern, sind aufgestellt, um unsere Parteifreunde bei ihrem politischen Kampf einzuschläfern.

Israels erster Soldat

Kurz nachdem Chaim Laskow Anfang dieses Jahres den bisherigen israelischen Generalstabschef Moshe Dayan abgelöst hatte, fragte ihn einmal ein Journalist, ob er meine, daß seine Armee einer neuen militärischen Auseinandersetzung mit den vereinigten Streitkräften der arabischen Nachbarn gewachsen wäre.

Porkkalas Glocken läuten wieder

Zwanzig Kilometer südwestlich von Helsinki scheint die Zeit still zu stehen. Schnurgerade zieht sich die von schweren Raupenketten zerfurchte Straße nach Süden.

Zeugen und Briefe aus einem Jahrzehnt

Deine beiden Briefe haben mich erquickt. Ich wollte Dir gleich nach dem ersten danken – aber die eingeborene Widerspanst gegen Briefschreiben (war das vielleicht die berüchtigte "Erbsünde"? – das wird sie gewesen sein) schob es hinaus.

Ist die FDP oppositionsmüde?

Seit einiger Zeit heißt es, daß nicht wenige FDP-Leute der Opposition müde seien und gern bei halbwegs passender Gelegenheit wieder in die Bundesregierung eintreten möchten.

Streik-Ende an der Themse

Wer nur die ausländischen Zeitungen während der vergangenen Wochen las, mußte den Eindruck gewinnen, England sei vollkommen lahmgelegt durch den Streik der Busleute, der Arbeiter auf dem Fleischmarkt und der Dockarbeiter.

Die Gründe meiner Flucht

In all jenen Jahren habe ich niemals irgendeine, auch nicht die geringste Funktion in der Partei wahrgenommen; ich habe niemals das Vertrauen einer Parteistelle besessen; ich bin infolgedessen niemals zu irgendeinem der von der SED inspirierten "Gesamtdeutschen Gespräche", "Friedenstagungen", Schriftstellerkongressen oder was immer es war, delegiert worden.

Hörspiel – Antiliteratur?

Ebensowenig wie ein Pfad mit dem Asphalt, hat eine neue Gattung eigentlich mit Literatur zu tun: das Häufchen von rund sieben Dutzend in Druck erschienener Hörspiele, die teils vom Nord- und Süddeutschen Rundfunk (in Sammelbänden), teils vom Hans Bredow-Institut der Hamburger Universität (in Einzelausgaben) veröffentlicht wurden.

Eduard Erdmann

Im Alter von 62 Jahren ist Eduard Erdmann gestorben, den man als den größten deutschen Pianisten unserer Tage bezeichnen darf.

ZEITMOSAIK

In dem "Vollkommenen Angler" des englischen Klassikers Izaak Walton findet sich im Vorwort der Satz: "Ebensowenig wie man als Künstler geboren werden kann, kann man als Angler geboren werden.

Der Traum von Recklinghausen

Seit elf Jahren bemühen sich in Recklinghausen die Stadt und der Deutsche Gewerkschaftsbund, fürs Theater auch die Industriearbeiterschaft zu mobilisieren.

Von Museen verkannt: Jacques Lipchitz

Wenn das zwanzigste Jahrhundert, wie einmal behauptet wurde, wirklich ein Jahrhundert der-Plastik sein (oder werden) sollte, dann gebührt daran dem Bildhauer Jacques Lipchitz ein entscheidendes Verdienst.

Sorgenkind zweier Frauen

Ein sehr prominenter, keineswegs mehr junger Schriftsteller namens Fontane (der aber nichts mit Theodor Fontane gemein hat) entflieht den Versuchungen des Pariser Frühlings und begibt sich auf eine Vortragsreise nach Südamerika.

Falladas retuschiertes Morgenrot

Den prominentesten der alten Berliner Droschkenkutscher, den "eisernen Gustav", machte Hans Fallada zum Helden eines Romans, der 1938 im Rowohlt Verlag erschien.

Berliner Nachtleben

In den grünen Augen des Zigarettenmädchens nordische Sinnlichkeit: Schnee über Lava. Sie spricht Deutsch mit einem dänischen Akzent, ein frisch-blauer Ostseehorizont ist plötzlich im Raum.

Ludwig Choma:: Eröffnungshymne

Der Verfasser eines solchen Gedichtes mußte freilich hin and wieder ins Gefängnis wandern – aber "man riskierte damals noch was", wie Oda Schaefer in einer bezaubernden kleinen Kurzbiographie Schwabings schreibt Sie steht als Nachwort zu dem Bändchen, dem wir dieses Gedicht entnehmen: Schwabing – Spinnete und erotische enorme und neurotische Moritaten und Verse von Scharfrichtern und Schlawinern aus dem Münchner Künstlerviertel Wahnmoching"; Piper Verlag, München 85 S.

Dada – ein Jux und mehr

Mag sein, daß dies ein Buch ist, dessen Lektüre man für den Strand empfehlen kann: denn es ist kein eigentlich schweres Buch, obwohl es "literatur-historischen" Charakter hat; zuweilen ist es auch ein lustiges Buch, wenngleich seine Autoren es einmal ernst gemeint haben.

Mit Gerling ins Ausland

Der Fernschreiber hämmerte. Blitzschnell reihten sich die Buchstaben zu einem knappen Text. Die Sekretärin nahm den Papierstreifen ab; brachte ihn zum Chef.

Berlin.: Hauptstadt auf dem Reißbrett

Berlin, nicht nur als politischer Magnet, sondern auch als Städtebauproblem, ist noch immer eine Attraktion. Das zeigte sich, als der Senat von Berlin zusammen mit der Bundesregierung einen Wettbewerb ausschrieb, der Architekten und Städteplaner in aller Welt zur Neuplanung der Berliner City aufrief.

Bremen: Langsame Behörden – schnelle Polizei

Der über alle Maßen bedächtigen Arbeitsweise einiger Behörden ist es zuzuschreiben, daß der 17. Juni in diesem Jahr in Bremen nicht in der vom Gesetzgeber gewünschten "würdigen" Form begangen wurde.

Nordrhein-Westfalen: "Ist doch nichts Besonderes..."

Wahrscheinlich hätte ich sie nicht erkannt. Es ist nämlich rund dreißig Jahre her, daß sie uns die Milch brachten, auf Wunsch auch Butter und Eier, täglich, vier Treppen hoch, erst mit einem Handkarren, später mit einem Pferdewagen.

Bayern: "...nacha geh i!"

Dem Landwirt Benno Gropp war vor fünf Monaten ein gegen seinen Knecht Günther Welz erlassener Lohnpfändungsbeschluß zugestellt worden.

Bundeswehr auf Löwenjagd

Die Bundeswehr hat schuld, wenn wir Schießbudenbesitzer pleite machen. Zumindest unsere Konjunktur ist jetzt beendet." Der dies sagt, macht dabei ein sauertöpfisches Gesicht, als sei er selber die sprichwörtliche Schießbudenfigur.

Niedersachsen: Witwe Wenke bekam recht

Über die Frage, ob der 13. Wettsonntag in diesem Jahr, der 30. März, ein Glückstag war, sind Frieda Wenke aus Hameln und ihr ehemaliger Lotto-Einnehmer Erwin Ewald gegenteiliger Meinung.

Was die Väter gelobt

Die wenigen Feriengäste der "Goldenen Traube" starrten zur nahen Wand des 900 m hohen Grandegger-Kofl hinüber. Dort hing mitten im steilabfallenden Felsen die rotweiße Tiroler Landesfahne.

Ruheplatz mit Lärm

Wer München kennt, kennt auch das Isartal, und wer das Istartal kennt, kennt den hübschen Ort Grünwald, der sich um ein altes Schloß gelagert hat, ein Durchgangstor zwischen Stadt und Tal, aber auch ein vielbesuchter Ausflugs-, Aufenthalts- und Erholungsplatz; sogar behördlich anerkannt.

Sinn und Unsinn der Ruinen

Dreimal hintereinander wurde Trier, die vornehmste StadtGalliens, zerstört. Die ganze Stadt war ein Brandkaufen. Und wie verhielten sich die Trierer, die mit dem Leben davongekommen waren? Sie verlangten von dem Kaiser nicht Brot, nicht Kleider, sondern Zirkus und Theaterspiele .

Bei schlechtem Wetter: Gute Erholung

Wenn es nach den Kurärzten unserer Nord- und Ostseebäder ginge, sollte der Sonnenschein an der See verboten werden, nicht etwa weil die Sonne an sich schadet, sondern weil die Menschen nicht vernünftig mit der Sonne umzugehen verstehen.

Notizen für Reisende

Ägäische Kreuzfahrten mit dem griechischen Motorschiff "Semiramis" werden jeden Montag bis zum 31. Oktober von Piräus über Rhodos, Patmos, Delos und Mykonos durchgeführt.

Der Fiskus lockert seinen Griff

Jetzt ist uns die Senkung der Einkommen- und Körperschaftsteuer, die solange gefordert wurde, rückwirkend ab Beginn dieses Jahres lieber.

Argentinien zwischen Recht und Willkür

Die wirtschaftliche Realität Argentiniens läßt sich seit zehn Jahren bereits durch die Aufzählung der Prozentsätze darstellen, um die in einem bestimmten Zeitraum die permanenten Fehlbeträge in der Produktion, im Außenhandel, in der Zahlungsbilanz, im Staatshaushalt, im Energiewesen gestiegen sind.

Kleinaktionäre an die Wand gedrückt

Es mehren sich die Fälle, in denen von solcher Rücksichtnahme nichts zu spüren ist. Das bisher eklatanteste Beispiel: Eine Gesellschaft hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ihre Rentabilität aus ordentlichen und außerordentlichen Erträgen erheblich verbessern können.

Sparstrümpfe! Vorwärts, marsch!

Es ist eine bekannte Sache, daß in Frankreich die Bürger reich und der Staat arm sind. Als Gegenbeispiel wird gern Deutschland zitiert, wo die Bürger arm und der Staat reich seien.

Kalkulation unter der Lupe

Der Einzelhandel ist zu teuer. Diese Klage ist immer wieder zu hören und dient vielen Verbrauchern auch zur Entschuldigung jener Erscheinungen, die als "Umgehung der normalen Absatzwege", d.

Die Barrieren fallen

An sich spricht die nach wie vor überschüssige Zahlungsbilanz der Bundesrepublik nicht dafür, die gegen eine Kapitaleinfuhr aufgerichteten administrativen Hürden zu beseitigen.

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