Seit einiger Zeit heißt es, daß nicht wenige FDP-Leute der Opposition müde seien und gern bei halbwegs passender Gelegenheit wieder in die Bundesregierung eintreten möchten. Die offiziellen Parteisprecher dementieren diese Version, aber sie tun es mit Reserve und Einschränkungen. Sie geben zu, daß sie mit Industriellen Gespräche geführt haben, in denen diese auf ein besseres Verhältnis zwischen FDP und CDU drängten. Den Eintritt der FDP in die Bundesregierunghätten sie aber dabei nicht verlangt.

Das mag in der Form stimmen. In der Sache ist es wohl anders. Ein großer Teil der FDP-Wähler – und zumal die finanzkräftigen Hintermänner – wünschen sich eine mitagierende, nicht eine opponierende Partei. Opposition gilt in Deutschland an sich als ein anrüchiges Geschäft. Aber Opposition an der Seite des zum Besitzerschreck gestempelten Wehner, das erscheint vielen beinahe als Selbstausschluß aus der Gesellschaft. Erwartungsgemäß ist denn auch das Verhältnis zwischen FDP und SPD seit dem Stuttgarter Parteitag merklich kühler geworden.

Das gilt allerdings nicht für die Gruppe um Weyer und Döring. Sie würde, sollte die FDP nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen das Zünglein an der Waage sein, mit der SPD und nicht mit der CDU koalieren. Die Mehrheit der Partei scheint indes bereit zu sein, selbst dann in ein Düsseldorfer CDU-Kabinett einzutreten, wenn die CDU am 6. Juli die absolute Mehrheit bekäme – Dr. Mende machte dieser Tage eine Äußerung, die so zu verstehen ist. Er sagte, die FDP halte sich nach wie vor an den Grundsatz, den sie anläßlich der Bundestagswahl aufgestellt habe: keine Beteiligung an einem Kabinett, das ihrer Unterstützung nicht bedarf, wo sie also "nur das fünfte Rad am Wagen" sein könnte. Das gelte aber nicht für die Länderkabinette. In Hamburg wie in Mainz habe die FDP gute Erfahrungen mit Regierungen gemacht, die auch ohne sie bestehen könnten.

Reinhold Maier ist seit einiger Zeit dabei, in vertraulichen Gesprächen, zum Beispiel mit dem Bundeswirtschaftsminister und dem Bundesverteidigungsminister, das Terrain für eine Annäherung an die CDU zu sondieren und den eventuellen Eintritt der FDP in ein Kabinett Arnold möglich zu machen. Die scharfen Angriffe, die der Bundeskanzler in Krefeld gegen Weyer und Döring gerichtet hat, erschweren natürlich diese Versuche Reinhold Maiers. Man fragt sich nun in der FDP, ob es der Kanzler etwa auf eine neue Spaltung der Partei abgesehen habe. Demonstrativ wird daher die Einmütigkeit der Bundestagsfraktion wie der Landesverbände betont.

Aber es hat sich inzwischen eben doch herumgesprochen, daß die Einmütigkeit in Wirklichkeit nicht so groß ist, wie es in der Öffentlichkeit behauptet wird. Man hört, daß die Gruppe um Achenbach, dessen gute Beziehungen zur Industrie bekannt sind, daß Scheel, Zoglmann und auch Dr. Mende schon längere Zeit der Stuttgarter Auffassung zuneigen, man solle nun wieder nach der anderen Seite Fäden knüpfen. Wie weit diese FDP-Politiker sich dabei allerdings vorwagen wollen, wird zunächst vom Ausgang der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen abhängen. Möglich, daß sie auch noch die im November stattfindenden Landtagswahlen in Bayern und Hessen abwarten werden, bevor sie in Bonn auf eine Neuorientierung drängen. Robert Strobel