Von Eka von Merveldt

Paris, im Juni

Ich traf die 15 Finnen in der Luft, im Linienflugzeug der Finnair nach Paris. Die meisten von ihnen waren große starke Männer von der Art der Holzfäller, aus den großen Wäldern, wie ich sie mir vorgestellt hatte, schweigsam und scheu. Das erste Wort, das ich von ihnen übernahm, hieß: Kippis! Prosit!

Wir waren Vorläufer des Fortschritts und wollten in Toulouse die Caravelle, das erste Strahlverkehrsflugzeug der Franzosen, ausprobieren; eine jener neuen Düsenmaschinen, die Ende dieses Jahres für den Passagierverkehr eingesetzt werden sollen. „Kippis!“ Ein Kognak erhöhte unsere Erwartung und unsere Neugier.

„Ich beneide die Menschen“ – so sagte einmal Max Ophüls –, „die heute noch das Telephonieren für etwas Geheimnisvolles halten. Sie kommen aus alten Zeiten, aus Einsiedeleien, aus weiten flachen Ländern. Ihre Phantasie ist noch nicht eingeschüchtert von der falschen Selbstverständlichkeit des farblosen Fortschritts, sie spüren noch ein Märchen darin, daß einer in Ulm spricht und der andere in Paris ihm antwortet.“ Ein Filmregisseur also schwärmte so. Er hielt das Fliegen noch für ein Wunder, vor dem er Angst hatte.

Die Finnen aus dem weiten, flachen Land, die ich traf, waren nicht mehr vom „Wunder des Fliegens“ eingeschüchtert. Finnland nämlich hat eins der dichtesten und – billigsten Inlandflugnetze. Es hat im Jahre 1956 drei Caravellen bestellt, wobei sich die Fluggesellschaften für die nächsten 15 Jahre festlegten, denn vorerst waren die Düsenverkehrsflugzeuge noch nicht lieferbar und es gab keine geeigneten Startbahnen. Allen Beteiligten verschlug es vor ihrem eigenen Mut fast den Atem. Jetzt haben die Finnen schon ihre Landebahn in Helsinki verlängert und in Uru und Oulu mit dem Bau von Betonpisten begonnen. Ein Wendepunkt der Luftfahrt.

Vom Flughafen Le Bourget brachten uns schnelle, rüttelnde Omnibusse in den Aerogare Invalides, den Pariser Stadtbahnhof der weit draußen liegenden Flughäfen, den Umschlagplatz für Passagiere am Place des Invalides. Die Abfertigungsräume sind gerade eben für den durch die Strahlverkehrsflugzeuge zu erwartenden Verkehr so erweitert worden, daß 1000 Fluggäste in der Stunde abgefertigt werden können. Wenn erst die DC 8, die Boeing 707 und der Comet – diese Spitzenstars der Düsen-Langstreckenverkehrsflugzeuge von morgen – mit je 140 bis 150 Passagieren an Bord und einer Geschwindigkeit um 900 Kilometern in der Stunde die Weltmeere überqueren werden, dann wird es so weit sein, daß eines dieser Flugzeuge allein im Laufe eines Jahres zweimal soviel Passagiere über den Atlantik befördern kann wie ein 25 000 Tonnenschiff in dem gleichen Zeitraum. 400 Düsenverkehrsflugzeuge sind bisher in Auftrag gegeben worden.