Von allerlei dunklen Abenteuern, die schließlich auf der Anklagebank in Karlsruhe endeten

Wenn man die beiden tschechischen Spione Miroslav Zarko und Josef Lahovic wie Max und Moritz auf der Anklagebank des Bundesgerichtshofes sitzen sieht, können einem wirklich Zweifel darüber kommen, ob Steuergelder in Nachrichtendienst-Apparaten gut angelegt sind.

Was die zwei seltsamen Agenten dem tschechischen Geheimdienst an „Material“ lieferten, stand in gar keinem Verhältnis zu den Beträgen, um die sie die volksdemokratische Staatskasse der Tschechoslowakei erleichterten. Ihre Abenteuer paßten besser in ein Witzblatt als in die geheimen Akten eines Nachrichtendienstes. Das verabscheuungswürdige Verbrechen des Menschenraubes wurde bei Miroslav und Josef zu einem „Max-und-Moritz-Streich“. Und dafür erhielt allein Zarko von den devisenschwachen Tschechen an die 30 000 harte D-Mark. Dazu wurde auf ein Konto in Prag jeden Monat ein Majorsgehalt angewiesen.

Der Lebenslauf des Agenten Miroslav Zarko ist ein Nachkriegsmärchen, wie es im Buche steht. Jahrgang 1920, in der Tschechoslowakei geboren, während des Krieges zur deutschen Wehrmacht eingezogen, kriegsgefangen von den Engländern. „Die militärische Laufbahn in der deutschen Wehrmacht war schönste Zeit meines Lebens“ erinnert sich wehmütig Spion Zarko. Aus dem deutschen Sanitätsgefreiten wurde dann bald in der Anders-Armee ein stolzer Fähnrich und „Arzt“. Anschließend bewährte er sich in der englischen Armee.

Und nun kam das Erstaunliche: „Dr. Zarko“ bewarb sich nach seiner Entlassung aus der Armee bei verschiedenen englischen Krankenhäusern und arbeitete als Narkosearzt in zahlreichen Kliniken, ohne daß man ihn je nach Papieren fragte. Erstaunlich ist das deshalb, weil „Dr. Zarko“ dem Bundesgerichtshof keinen Beweis dafür bringen konnte, jemals ein medizinisches Examen abgelegt zu haben. Der „Sanitätsgefreite Zarko“ hatte sich jedoch bei unzähligen Operationen als Narkotiseur so bewährt, daß ihm prominente Chirurgen aus England und Holland – wo er ebenfalls an Krankenhäusern tätig war – das beste Zeugnis ausstellten.

Aus England floh Zarko 1952 vor den Alimenteforderungen seiner geschiedenen Frau. Als einzige Erinnerung an die britische Insel führte er hinfort den Mädchennamen seiner früheren Frau: Grant. Und aus Miroslav wurde gut englisch George. So stand es denn auch auf seinem internationalen Führerschein und seinem britischen Personalausweis, den der tschechische Geheimdienst noch um ein Lichtbild bereichert hatte.

Im Frühjahr 1955 trieb ihn schließlich das Heimweh wieder in die CSR zurück. Hier konnte man einen Mann mit solcher Vorbildung gut für den Außendienst gebrauchen. So begann die Karriere des „tschechischen Meisterspions“. In Nürnbergs Valka-Ausländerlager warb er sich einen Assistenten an, mit dem er zwar die Arbeit, aber nicht das Geld teilte. Aber schließlich hatte er ja auch die höheren Auslagen, denn als Spitzenkraft eines Geheimdienstes mußte er einen unauffälligen Mercedes 300 fahren.