H. H., Rosenheim

Dem Landwirt Benno Gropp war vor fünf Monaten ein gegen seinen Knecht Günther Welz erlassener Lohnpfändungsbeschluß zugestellt worden. Darin wurde dem Arbeitgeber vom Amtsgericht Rosenheim aufgetragen, vom monatlichen Barlohn seines Knechtes, der 120 Mark beträgt, 60 Mark an Alimenten einzubehalten und dem Kreisjugendamt, das die Amtsvormundschaft für das uneheliche Kind des Arbeiters führt, zu überweisen.

Aber der Knecht drohte seinem Lohnherrn: „Bauer, wannst du mir net mein ganzen Lohn gibst, nacha geh i!“ Und weil die Knechte in Bayern rar sind und der Günther nach Aussage des Landwirts ein starker und fleißiger Arbeiter ist, zahlte Gropp weiterhin den ganzen Lohn an Welz aus. Das Jugendamt hielt sich nunmehr an den Arbeitgeber als Drittschuldner und verklagte ihn auf Zahlung der 300 Mark rückständiger Alimente.

„Versetzen Sie sich in meine Lage, Herr Richter“, erklärte der verklagte Bauer, „was hätte ich gemacht, wenn er mir vor der Ernte davongelaufen wäre?“ Das Gericht zeigte Verständnis für den Landwirt, betonte aber: „Gesetz ist Gesetz“, worauf der Angeklagte sich „freiwillig“ bereit erklärte, aus seiner Tasche dem Kreisjugendamt die 300 Mark Alimente für seinen Knecht zu bezahlen. Damit war der Richter der Notwendigkeit enthoben, den Bauern verurteilen zu müssen. Zwischen dem Knecht und seinem Lohnherrn kam es indessen noch zu keinem „Vergleich“, so daß Gropp weiterhin, will er seinen dienstbaren Geist nicht verlieren, für dessen Unterhaltspflicht aufkommen muß.