Wer München kennt, kennt auch das Isartal, und wer das Istartal kennt, kennt den hübschen Ort Grünwald, der sich um ein altes Schloß gelagert hat, ein Durchgangstor zwischen Stadt und Tal, aber auch ein vielbesuchter Ausflugs-, Aufenthalts- und Erholungsplatz; sogar behördlich anerkannt. Und niemand wird leugnen, daß zur Erholung in erster Linie Stille gehört, mindestens relative Lärmfreiheit. Wenigstens ist es wohl derzeit noch so. Wann es soweit sein wird, daß alle „normalen“ Menschen erst recht nervös werden, wenn sie plötzlich die gewohnte Geräuschkulisse entbehren müssen, steht noch nicht fest. Einstweilen ist der Wunsch nach Schweigezonen immer noch vordringlich, wo von Entspannung und Erholung die Rede ist.

Nicht weit von Grünwald liegt Baierbrunn. Und dort beabsichtigt eine Privatfirma die Errichtung eines Prüfstandes für Flugzeugmotoren. Eine „kleine, kaum störende Anlage“, wie sie versichert. Aber wer weiß, welche Lärmmenge ein solcher Unternehmer als klein und nicht störend empfindet? Und wer wüßte nicht, daß einen Unternehmer überhaupt nichts stört, was die Entwicklung seines Betriebs nicht stört. Und wer wüßte schließlich nicht, daß kein Unternehmer die Absicht hat, „klein“ zu bleiben, wenn er auch klein anfängt?

All das sagen sich nun die Grünwalder auch, und sie fürchten mit Recht für den bisherigen Ruf ihres erholsamen, schönen Fleckens Isartalerde. Protestschreiben flattern nach allen Seiten. Zwei Landräte sind mit der Sache befaßt. Aber noch zeigt sich kein Silberstreifen der Hoffnung, daß „der Mensch“ in unserem Jahrhundert einmal eher Recht bekäme als „der Unternehmer“. A–h