Die Grenze zwischen Autobiographie und freier Erfindung bleibt, was nicht reizlos ist, vielfach unscharf in dem Roman von:

André Maurois: „Rosen im September“; Kindler Verlag, München; 353 S., 14,80 DM.

Ein sehr prominenter, keineswegs mehr junger Schriftsteller namens Fontane (der aber nichts mit Theodor Fontane gemein hat) entflieht den Versuchungen des Pariser Frühlings und begibt sich auf eine Vortragsreise nach Südamerika. Hier, in Lima, sehr fern der daheimgebliebenen, treusorgenden Gattin, gerät er-jedoch erst recht in Verstrickungen. Eine junge, peruanische Schauspielerin mit dem Kosenamen Lolita dient ihm als Cicerone und gleichzeitig als Partnerin einer bezaubernden Romanze, deren Glut seinen Jahren, seinem literarischen Rang und dem tropischen Kolorit – durchaus entspricht.

Die Romanze klingt aus in Paris, Der heimgekehrte Literat spinnt sie zunächst brieflich weiter, bald sogar unter Beteiligung seiner Frau, die längst alles weiß und der er eines Tages die Anschrift Lolitas gibt. Mit dem Erfolg, daß er selbst fortan das platonisch geliebte Sorgenkind zweier in Freundschaft verbundener Frauen ist.

Lolita kommt mit einer eigenen Theatergruppe nach Europa. Sie mißfällt in Spanien. Paris zeigt ihr trotz der Bemühungen ihrer Freunde die kalte Schulter. Fontane weilt auf Vortragsreise in der Schweiz. Als er zurückkehrt, ist Lolita bereits wieder in ihrer Heimat Peru, Sie wird dort Lorca, Claudel, Giraudoux spielen und die Erfolge einheimsen, die ihr Europa versagte. Fontane kehrt zurück in die Arme einer innerlich wie äußerlich gewandelten Gattin.

Der Vorzug des Romans liegt in der Echtheit des Milieus, in der Atmosphäre der Pariser Literatur und in der Charakteristik Südamerikas. Solche Meisterschaft der Detailzeichnung wird nicht oft geboten. Heinz Hell