XXIV. Wohin rollst du, Globus? – Europäer als Untertanen

Von A. E. Johann

Unser Mitarbeiter A. E. Johann schließt heute mit der Schilderung des jungen selbständigen Staates Sudan seine Reihe von Berichten aus dem Schwarzen Erdteil Afrika ab. Nachdem der Autor in bisher 23 Folgen unseren Lesern von seiner Fahrt um den Globus aus sämtlichen Erdteilen seine Eindrücke und Erfahrungen mitgeteilt hat, ist er nun zur letzten Etappe aufgebrochen: nach Moskau. Seine demnächst folgenden Berichte also werden von Rußland und den sowjetischen Völkern handeln.

Khartum, im Juni

Die Beziehungen zwischen dem großen, jungen Staat am oberen Nil und Deutschland lassen sich nur durch ein einziges Wort richtig bezeichnen: Freundschaft, Die Deutsche Bundesrepublik hatte Glück im Sudan. Es gibt dort eine ausgezeichnet geleitete deutsche diplomatische Vertretung mit wirklich brauchbaren und hochqualifizierten Kräften. Da außerdem überall die deutschen Firmen im Sudan die Aufträge fristgerecht und entgegenkommend erfüllten, da deutsche Regierungsstellen sich in Khartum aufmerksam und hilfsbereit erwiesen, hat sich schnell und nachhaltig in privaten und amtlichen Kreisen des Landes herumgesprochen, daß mit den Deutschen gut zu arbeiten sei, daß man sich auf sie verlassen könne, daß sie so loyal und gewissenhaft dem neuen Staate dienten, als wären sie Sudanesen.

Tatsächlich sind bereits verschiedene Deutsche mit dem Rang hoher sudanesischer Beamter ausgestattet worden, verfügen innerhalb ihres Ressorts über volle Anweisungsbefugnisse nach unten und sind nach oben nur den Staatssekretären oder Ministern verantwortlich. Manche von ihnen wollen nur Beamte auf Zeit sein, für drei oder auch fünf Jahre, andere aber haben sich schon jetzt mit ihrer Aufgabe in diesem grandiosen Lande mit einer sicherlich reichen Zukunft so identifiziert, daß ihnen die Vorstellung, eines Tages fortgehen zu müssen, gar nicht behagt.

Eine ganz neue Möglichkeit zeichnet sich hier ab: Europäer, beispielsweise Deutsche, werden nicht nur Angestellte oder Beamte auf Zeit, übernehmen nicht nur sachlich umgrenzte Aufgaben, sondern gehen mit allen Rechten und Pflichten in den Dienst des andern Staates über, auf Lebenszeit mit der Erlaubnis oder gar Verpflichtung, die sudanesische Staatsangehörigkeit anzunehmen. Das braucht bei der Korrektheit des sudanesischen Staates, seiner Vertragstreue und Großzügigkeit kein Risiko zu sein.