Die Deutsche Bundesbahn kommt aus ihren Sorgen, nicht heraus. Das ist in kurzen Worten das Ergebnis ihrer großen Pressekonferenz in der vergangenen Woche. Am besten haben es wohl die Ingenieure der DB. Sie haben ein klares Bild von dem, was geschehen kann und auch geschehen sollte, um die Bahn den Erfordernissen der Zeit anzupassen. Für sie ist die Zeit, in der man Kohle unter den Lokomotiven verfeuern durfte, schon lange vorbei. Dieselöl und Elektrizität sind besser und wirtschaftlicher.

Die Transportkapazitäten sind heute dem wachsenden Verkehr nicht mehr dadurch anzupassen, daß man Entlastungslinien baut. Dafür haben wir in unserem dichtbesiedelten Lande keinen Platz mehr. In die vorhandenen Strecken müssen Mittel investiert werden, um sie leistungsfähiger zu machen. Die Züge müssen schneller und in dichterer Folge über sie hinweggebracht werden. Vor allem aber muß der Güterumschlag rationeller gestaltet werden. Nur wenn man hier echte Erfolge erzielt ist es möglich, den Wettbewerbsvorsprung, den der Lastwagen vor der Schiene besitzt, zu verringern. Mit verkehrspolitischen Maßnahmen allein läßt sich dies niemals erreichen. Die Tarifreform vom 1. Februar führte zwar, soweit man dies bis jetzt beurteilen kann, zu einer besseren und organischeren Verkehrsaufteilung, aber noch zu keiner echten Lösung.

Große Hoffnungen setzt der Vorstand der Bundesbahn auf die vom Verkehrsausschuß des Deutschen Bundestages geforderte unabhängige Sachverständigenkommission. Sie soll die Erkenn:nisse erarbeiten, die die politischen Instanzen brauchen, um zu richtigen Entschlüssen zu gelangen. Darüber aber wird noch einige Zeit vergehen. Inzwischen geht die Finanzmisere der Deutschen Bundesbahn weiter. Die Stagnation im Massengüterverkehr hat alle Rechnungen über den Haufen geworfen. Auch der Bundesfinanzminister kann nicht mehr das für die Eisenbahn tun, was ihm im letzten Jahr noch möglich war. Es fehlen, da Einnahmen und Haushaltsmittel zurückgehen, rund eine Milliarde DM. Die Bahn hat deshalb das Investitionen für 1958 um rd. 30 Mill. DM herabgesetzt; um eine weitere Kürzung des Auftragsvolumens hofft man herumzukommen, nachdem die Bundesbahn-Anleihe, die allerdings nur der Konsolidierung der kurzfristigen Verschuldung diente, einige Erleichterungen gebracht hat. Doch bleibt eine Finanzlücke von etwa 400 Mill. DM. Wenn alles gutgeht, d. h. vor allem, wenn der Kapitalmarkt für die Auflage einer weiteren Bundesbahn-Anleihe offensteht und wenn der Bund auch außerhalb des Haushaltplans zu helfen vermag, wird man vielleicht doch noch Mittel und Wege finden, um diese Lücke zu überbrücken. W. R.