Es ist wahr, daß wohl die meisten von uns damals Ihrem Enthusiasmus Reserviertheit entgegengesetzt haben, wenn Sie von Ihrer, Bredels und anderer Leute Tätigkeit für die kommunistische Weltrevolution in der Internationalen Brigade in Spanien sprachen. Es stimmt, daß Skepsis Platz griff, wenn Sie mit großer Oberzeugung äußerten, daß die DDR der Platz des Emigranten sei, ganz gleich, ob er die Kriegszeit in der UdSSR oder in den USA zugebracht hat.

...Aus allem, was Sie damals sagten, ging aber auch hervor, daß Sie keiner jener Fanatiker waren, die ihre Persönlichkeit und Menschlichkeit einer Idee zum Opfer brachten, die immer mehr von ihrer ursprünglichen Wahrheit und Humanität verloren hatte. Sie haben gekämpft mit einer stets wachsenden Menge von Gegenargumenten. Sie haben sich lange Zeit verschlossen gegen die Tatsachen, Sie haben nicht eingestehen können, daß die Wirklichkeit Ihren Traum von der kommunistisch regierten gerechteren Welt nicht mehr rechtfertigte.

Dieses Ringen, das sicherlich begann, als Sie deutschen Boden wieder betreten haben, ist nun zu Ende. Sie haben endlich öffentlich Partei ergriffen für eine Welt, auf deren Seite Sie innerlich längst gestanden haben und abermals Stellung bezogen gegen all das, was Sie damals, in den Jahren seit 1935, bekämpft haben. Das Opfer Ihrer Schriften, Pläne und Bücher, das jeden Wissenschaftler im tiefsten ergreifen muß, es ist nicht umsonst gebracht.

Für uns, Ihre ehemaligen Studenten, und alle, die Sie kannten und verehrten, sind Sie durch den Bruch mit dem Kommunismus Ulbrichtscher Prägung wieder rein geworden. Halten Sie sich diese Tatsache immer wieder vor Augen und seien Sie versichert, daß unser aller Sympathie Sie auf Ihrem schweren Weg begleiten wird!

Mit vorzüglicher Hochachtung

Christian Velder

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