Hundert Jahre ist es her, seit die ersten Deutschen sich in Südafrika ansiedelten. In East London, einer Hafenstadt an der Ostküste der Kap-Provinz, feiern ihre Nachkommen nächste Woche das hundertjährige Jubiläum der deutschen Gemeinschaft am Kap.

Die ersten Deutschen in der Kap-Provinz waren Soldaten, Angehörige einer Freiwilligen-Legion, die England, für den Krim-Krieg angeworben hatte, die aber in Sewastopol erst ankam, als der Krieg bereits zu Ende war. Das Kolonialamt verfiel damals auf die Idee, die arbeitslosen Legionäre als Siedler für die Provinz Kaffraria in Südafrika zu gewinnen: Es bot ihnen freies Land und freie Passage für Frau und Kinder an. Über 2200 Freiwillige meldeten sich; 203 von ihnen heirateten noch am Vorabend der Abreise englische Mädchen.

Am 12. Januar 1857 erreichte das erste der sechs Legionsschiffe East London an der Ostküste des Kaplandes. Das Gebiet, das den Legionären zugeteilt wurde, erstreckte sich von der Mündung des Keiskama zum Hochland der Amatoles, einer Gegend, wo heute noch fast nur deutsche Ortsnamen zu finden sind: Hamburg, Berlin, Potsdam, Braunschweig und Stutterheim. Aus Stutterheim kam im Mai 1857 der erste Brief nach Deutschland: "Nicht unserer Indolenz müssen Sie es zuschreiben, wenn bis jetzt von hier aus keine Korrespondenz zu Ihnen gelangt ist; aber von dem alten deutschen Grundsatze beseelt: ,Fangt das Werk mit Fäusten an’, war bislang keine Zeit übrig, den Spaten und die Hacke mit der Korrespondenzfeder zu vertauschen ... Bei etwaigem Besuche würden Sie die Überzeugung gewinnen, daß nach Verlauf einiger Jahre Stutterheim den meisten Städten dieser Kolonie nicht nachstehen wird."

Bis dahin hatte es freilich noch gute Weile. Die Schwierigkeiten des Neuanfangs waren groß – so groß, daß schon im Jahre 1858 über tausend Offiziere und Soldaten es vorzogen, nach Indien weiterzuwandern und dort in den englischen Militärdienst zu treten. Aber der damalige Kap-Gouverneur, Sir George Grey, ließ seinen Plan, Deutsche in der Kolonie anzusiedeln, nicht fallen. Über die Hamburger Firma Godeffroy warb er neue Auswanderer an – vor allem Landarbeiter und Handwerker. Am 7. Juli 1858 – vor nun also 100 Jahren – warf die "Cäsar Godeffroy" als erstes von sechs Auswandererschiffen vor East London Anker. So gut sie konnten, kämpften sich die Deutschen zu den Militärsiedlungen durch, wo ein hartes Leben auf sie wartete.

Gouverneur Grey zollte ihrem Arbeitseifer und ihrer Ausdauer großes Lob, als er über sie schrieb: "Die deutschen Siedler sind für die europäische Bevölkerung dieses Landes äußerst wertvoll. Sie sind sehr fleißig und selbständig, und haben sich unter Umständen eine Existenz aufgebaut, unter denen die meisten anderen Einwanderer den Mut hätten sinken lassen." Auch ein englischer Historiker ist des Lobes über die deutschen Ansiedler voll, "da sie es in wenigen Jahren zu einem beträchtlichen Viehbestand brachten und als Gemüsebauern in Südafrika unerreicht waren. Mäßig, nüchtern, fleißig und fromm, haben sie in hohem Maße zum Gedeihen der Provinz Kaffraria beigetragen."

Dieselben Eigenschaften zeichnen heute noch die Nachfahren der deutschen Einwanderer aus, die der Leistung ihrer Pioniervorväter in den nächsten Tagen stolz und dankbar gedenken.

Jutta Merensky