Der Umsatz der Chemische Werke Hüls Aktiengesellschaft, Marl, ist im Jahre 1957 im 9,6 (11,7) v. H. auf (alles in Mill. DM) 523,1 gestiegen. Auf fast allen Gebieten des Produktionsprogramms nahm der Wettbewerb zu, so daß Preissenkungen erforderlich waren, um den Marktanteil zu kalten. Durch Rationalisierungsmaßnahmen und weitgehende Vollbeschäftigung konnte den Kostensteigerungen teilweise begegnet werden. Da der Preisdruck nicht in vollem Maße aufgefangen werden konnte, entsprach das Ergebnis nicht der Umsatzsteigerung. Der in der Bilanz ausgewiesene Gewinn von 12,0 (9,6) ist auf eine Dividende von 10 (8) v. H. zugeschnitten.

Die verarbeiteten Mengen an verflüssigten Kohlenwasserstoffen stiegen gegen Jahresende auf monatlich über 7000 t. Die weitgehende Öffnung des innerdeutschen Marktes für Einfuhren trug mit dazu bei, daß trotz steigender Kosten der Preisindex in der chemischen Industrie im Monatsdurchschnitt von 1957 lediglich um 7,5 v. H. über dem Preisniveau von 1950 lag, während sich der Index der gesamtindustriellen Erzeugnisse in der gleichen Zeit um 24 v. H. erhöhte.

Die Hauptversammlung ermächtigte den Vorstand, bis zum 1. Juni 1963 das Grundkapital um 60 auf 180 Mill. DM durch Ausgabe neuer Aktien gegen Geld- oder Sacheinlagen (genehmigtes Kapital) zu erhöhen. Wie der Vorstand vor der Presse mitteilte, ist damit die Bereitstellung eines Teiles der in der nächsten Zeit benötigten Mittel gesichert. Die erste Rate wird zu pari zum 1. Oktober 1958, teils durch Sachanlagen und teils in bar, eingezogen werden. Für die zweite Tranche ist noch kein Zeitpunkt bekannt. Die Aktionäre der Gesellschaft sind: Chemie-Verwaltungs-AG, Frankfurt (Main), Bergbaugesellschaft Hibernia AG, Herne, und Kohleverwertungsgesellschaft mbH, Essen.

Wie Vorstandsmitglied W. Husung vor der Presse ausführte, sind auch weiterhin erhebliche Investitionen vorgesehen, und zwar in den nächsten zwei Jahren in dem bisherigen Umfange. 1958 werden Investierungen für neue Anlagen in einer Größenordnung von etwa 70 Mill. DM vorgenommen werden, also ähnlich wie 1957 mit 65,1 und 1956 mit 73,2 Mill. DM. Die Abschreibungen werden bei etwa 52 Mill. DM bleiben, wenn nicht noch Sonderabschreibungen zusätzlich vorgenommen werden müssen. Zur Erweiterung der Erzeugungsanlagen von monomerem Styrol, einer Ausgangskomponente für den Synthesekautschuk Buna Hüls, wurde bereits ein erheblicher Betrag aufgewandt. Wenn diese erweiterte Anlage voll in Betrieb ist, wird die Chemische Werke Hüls Aktiengesellschaft der größte Styrolerzeuger Europas sein. Für die Erweiterung der neuen, vor kurzer Zeit fertiggestellten Äthylen-Oxygenanlage wurden ebenfalls größere Summen aufgewandt. Eine Neuanlage zur Erzeugung von Trichloräthylen durch Crackung von Tetrachloräthan mußte erstellt werden. Andere Anlagen wurden ausgebaut und verbessert. 1958 wird ferner mit dem Bau einer Großanlage zur Herstellung von Niederdruckpolyäthylen nach dem Ziegler-Verfahren mit einer Kapazität von 500 Monatstonnen begonnen. Eine Versuchsanlage hat bereits einen monatlichen Ausstoß von 100 t.

Die Chemische Werke Hüls, die mit einer jährlichen Verarbeitung von 202 000 t Erdölfolgeprodukten das größte petrochemische Werk Deutschlands ist, konnte in den ersten fünf Monaten 1958 gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres den Umsatz um 8,2 v. H. steigern. Im Jahre 1957 ist ein Umsatz von über einer halben Milliarde DM erzielt worden. Wie der Vorsitzende des Vorstandes, Prof. Dr. P. Baumann, vor der Presse ausführte, dürfte eine nennenswerte Steigerung des Mengenabsatzes künftig nur möglich sein, wenn das Unternehmen neue Anlagen erstellt und die Kapazität vorhandener Anlagen ausweitet, wozu erhebliche Investitionen erforderlich sind. Die Belegschaft betrug 1957 rund 14 000. W. B.