Das größte deutsche Unternehmen in der Sachversicherung, die Allianz-Versicherungs-AG, Berlin-München, hatte die schon im Vorjahr sichtbar werdende Verlangsamung der Geschäftsausweitung und die Abflachung der Prämienzuwachsquote als Anzeichen einer gesunden Konsolidierung bezeichnet. Nun hat die Gesellschaft im Geschäftsjahr 1957 zwar abermals – bezogen auf das Gesamtprämienvolumen – einen Rückgang der Zuwachsquote von 14,88 auf 13,19 v. H. zu verzeichnen, absolut wurde jedoch der Rekordzuwachs des Vorjahres von 64,1 Mill. DM mit 65,2 Mill. DM nochmal übertroffen. Der Anteil der Allianz-Gruppe (einschl. Frankfurter Versicherungs-AG, Bayerische Versicherungsbank AG und Globusversicherungs AG), deren Beitragsvolumen 1957 mit brutto 560 (495) Mill. DM und netto 375 (332) Mill. DM sich seit 1950 etwa verdreifacht hat, am Prämienaufkommen der privaten Sachversicherung in der Bundesrepublik beträgt etwa 20 v. H. Gen.-Dir. Goudefroy, der unterstrich, daß das Geschäft schwieriger geworden sei, meinte, diese Tendenz werde wohl anhalten. Angesichts der Verlangsamung der Zuwachsquoten in vielen Teilen der deutschen Wirtschaft bezeichnet die Allianz das Ergebnis als befriedigend. Der HV am 13. August wird eine Stückdividende von 22 (20) DM vorgeschlagen, die 12,48 (11,347) v. H. auf das eingezahlte Grundkapital (31,02 Mill. DM) entspricht.

An der Prämiensteigerung waren alle Versicherungszweige – ausgenommen die Reisewetterversicherung (ein unbedeutender Zweig) – beteiligt. Die Stückzahl der laufenden Versicherungen nahm weiter um 9,6 v. H. (11,8) auf 9,8 und inzwischen auf über 10 Mill. DM zu. Dabei war der Anteil der Kraftfahrtversicherung am gesamten Prämienvolumen erstmals seit Jahren geringer. Dies wurde mit dem Rückgang der Krafträderproduktion und der Lastwagenerzeugung begründet, während die Stückzahl der Pkw besonders seit dem Herbst zugenommen hat. Die Zahl der Schadensfälle ist, wie betont wurde, auf Grund der besseren Verkehrsregelung und der Geschwindigkeitsbegrenzung in der Kfz-Versicherung zwar zurückgegangen, doch stieg die durchschnittliche Schadenshöhe weiter. Die veränderte Zusammensetzung des Fahrzeugbestandes machte sich vor allem in einem Rückgang der Motorradunfälle bemerkbar. Durch den befriedigenden Verlauf bei der Fahrzeug- und Unfallversicherung wurde der Verlust in Haftpflicht ausgeglichen. Merklich belebt hat sich das Geschäft bei Feuer; der Schadenverlauf war befriedigend. Bei Unfall ging die Zahl der Schadenfälle zwar leicht zurück, aber die Steigerung des durchschnittlichen Aufwandes hielt an. Der beträchtliche Zuwachs in der Transportversicherung verteilt sich gleichmäßig auf das Waren- und Kaskogeschäft. Bei Hagel wurde ein kleiner Gewinn erzielt, während in der Reisewetterversicherung bei geringem Prämienaufkommen abermals ein Verlust eintrat. Der Verlust in der Tierversicherung wurde nur zu einem kleinen Teil durch Auflösung der Schwankungsrückstellung gedeckt.

Im Gegensatz zu der prozentual geringeren Prämiensteigerung erhöhten sich die Leistungen für Versicherungsfälle um 16,4 (15,9) v. H.; sie wuchsen brutto aber nur um (in Mill. DM) 30,5 gegen 34,2 im Vorjahr. Der Gesamtkostensatz wurde von 30,68 auf 30,06 verringert. Verwaltungskosten stiegen auf 140 (122), für eigene Rechnung auf 113 (102). Der Personalaufwand erforderte davon einschl. sozialer Leistungen 56 (50). Vermögenserträge (ohne die bei den Sparten verrechneten Anteile) stiegen auf 26,9 (23,2). Nach Zuführung von 8 (5) an die Rücklagen erhöhen sich diese auf 37. Versicherungstechnische Rückstellungen, betragen nun 499 (430). Der Gewinn wird mit 4,56 (4,12) ausgewiesen. Angesichts neuartiger Risiken und wachsender Risikoballungen im Zusammenhang mit der technischen Entwicklung, aber auch im Hinblick auf die Aufgaben im größeren Versicherungsgebiet des Europamarkts, betont die Allianz erneut die Notwendigkeit einer Reservenstärkung.

Von den Kapitalanlagen betragen u. a. der Grundbesitz 103 (91), Ausgleichsforderungen fast unverändert 43, Wertpapiere 245 (200), Beteiligungen 70 (59) und Bankguthaben 44 (36). Bei einem Zuwachs um 76 (50) fällt die Anreicherung hauptsächlich auf Wertpapiere, die um 45 (13) zugenommen haben. Zugänge bei den Beteiligungen sind im wesentlichen auf Kapitalerhöhungen zurückzuführen. Das Eigenkapital macht nun nur noch 19,1 v. H. der Nettoprämieneinnahmen gegen 41,8 v. H. in 1950 aus. Allerdings hatten Gen.-Dir. Goudefroy seinerzeit auf eine Frage nach einer Kapitalerhöhung geantwortet, man brauche nicht mehr Eigenkapital, sondern Reserven.

Im laufenden Jahr berichtet die Allianz-Gruppe von einem weiter befriedigenden Prämienzuwachs, der sich auf alle Sparten erstrecke. Besonders in der Kraftfahrversicherung war er höher als in der gleichen Zeit 1957. Der Schadenverlauf ist bisher normal gewesen. t. r.