Damaskus, im Juli

Als die ersten Nachrichten von dem irakischen Staatsstreich bekanntwurden, traf ich in Damaskus den ehemaligen syrischen Staatspräsidenten Chukry Kuwatli, der gerade mit dem einzigen Syrer in der Kairoer Zentralregierung, mit Salah Bitar, die jüngsten Ereignisse besprach,

Während draußen auf den Staßen die Massen die Ausrufung der irakischen Republik als weiteren Schritt auf dem Wege zur arabischen Einheit feierten, verglich Kuwatli die Bestrebungen der Araber mit dem Ringen des deutschen Volkes um seine Wiedervereinigung. Beide Völker, so meinte er, würden wohl lange warten müssen, aber eines Tages werde ihr Ringen doch von Erfolg gekrönt sein.

Für Syrien, das sich im Februar mit Ägypten zur Vereinigten Arabischen Republik zusammenschloß, ist der Staatsstreich in Bagdad nicht nur politisch höchst bedeutsam. Nicht minder wichtig sind die wirtschaftlichen Auswirkungen des Umsturzes, der den Syriern den Irak wieder als natürliches Hinterland öffnet. In einem Land, in dem die Wirtschaftskreise seit jeher eine tonangebende Rolle spielen, wiegen derlei Überlegungen besonders schwer.

Im übrigen spiegelte sich die Reaktion der Vereinigten Arabischen Republik auf die Ereignisse im Irak schon in jener ersten Erklärung Präsident Nassers wider, in der er versicherte, daß jeder Angriff auf die irakische Republik als Angriff auch auf die VAR behandelt werde. Inzwischen ist diese Versicherung durch den Abschluß eines Beistandspaktes zwischen Kairo und Bagdad vertraglich besiegelt worden. Noch läßt sich freilich nicht absehen, ob das alles nun auch auf einen baldigen Anschluß des Irak an die Vereinigte Arabische Republik hindeutet.

So groß wie der Jubel über die irakische Revolution war zwei Tage später die Verbitterung über die anglo-amerikanische Intervention. Die den Amerikanern ohnehin mißtrauisch gegenüberstehen, sahen sich dadurch in ihren Ansichten bestätigt. Und die anderen, die an eine Freundschaft der USA mit den Arabern glauben, sahen sich wieder einmal enttäuscht. Kein besseres Echo fand das britische Einschreiten in Jordanien.

Man betont in Damaskus, daß die neugebildete irakische Regierung keineswegs links orientiert sei oder mit dem Westen brechen wolle, und verweist dabei auf die Zusicherung, daß die Ölverträge mit den westlichen Ländern aufrechterhalten werden sollen. Gleichzeitig warnt man die Westmächte vor dem fatalen Fehler, die irakische Republik ebenso unklug zu behandeln wie in den letzten Jahren Syrien, das – von den Amerikanern immer wieder als prokommunistisch angeprangert und politisch wie wirtschaftlich boykottiert – am Ende tatsächlich an Moskau herangedrängt worden sei.