Die Ereignisse im Irak lenken den Blick auf die Erdölvorkommen der westlichen Welt, und die Frage, welche Gebiete eventuell als Lieferanten an die Stelle des Mittleren Ostens treten könnten, ist wiederum aktuell geworden. Wenn auch die Konstellation auf dem Weltmarkt für Erdöl nicht auf eine unmittelbar drohende Knappheit schließen läßt, so bleibt doch abzuklären, ob und in welchem Maße in absehbarer Zeit die Vorkommen in der Sahara die Energieversorgung beeinflussen werden. Unser Pariser Mitarbeiter analysiert im folgenden die zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Faktoren, welche die Sahara-Erschließung bestimmen und vorderhand vor allem behindern – es scheint das Schicksal der Erdölgebiete zu sein, entweder in politischen Spannungsfeldern zu liegen oder solche zu schaffen.

J. K. Paris, im Juli

Es steht heute außer Zweifel, daß die Sahara einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Energie- und Rohstofflieferant eines zukünftigen eurafrikanischen Wirtschaftsraumes werden kann. Die letzten, sehr vorsichtigen Schätzungen rechnen mit folgenden, ermittelten und sofort erschließungsfähigen Energievorkommen: 300 bis 400 Mill. t Erdöl im Gebiet von Hassi-Messaoud an der Südgrenze Algeriens und 70 Mill. t im Gebiet von Edjelé in der Nähe der libyschen Grenze; Erdgas: 500 Mrd. cbm in der Region von Hassi R’Mel nordwestlich von Hassi-Messaoud. Außerdem liefern die Erdölquellen von Hassi-Messaoud 200 cbm Naturgas pro Tonne Erdöl, was auf eine Erdgasreserve von 80 bis 100 Mrd. cmb schließen läßt. Dabei handelt es sich nur um die wichtigsten bisherigen Entdeckungen. Die bisher unternommenen Schürfungen lassen weitere beträchtliche Mineralöl- und Erdgaslager in der Sahara vermuten.

Unter wessen Verwaltung?

Da die Erschließung und der Abtransport dieser reichen Energiestoffquellen technisch keine unüberwindlichen Probleme stellen, wäre soweit alles in bester Ordnung – wenn die politischen Probleme geregelt wären, die sich mit der Sahara seit einigen Jahren verknüpfen.

Die staatliche Zugehörigkeit der Sahara stellt zwar für Frankreich offiziell kein Problem dar, wohl aber – neuerdings – für die nordafrikaschen Staaten. Vor dem Erdölboom in der Sahara unterstand dieses Gebiet zum Teil dem französischen Innenministerium, zum anderen Teil dem französischen Kolonialministerium und der Verwaltung der um die Sahara liegenden Territorien von Französisch West- und Äquatorialafrika. Vor mehr als Jahresfrist hat die französische Nationalversammlung ein Gesetz angenommen, durch das für die Saharagebiete eine „Gemeinsame Organisation“ (Organisation commune des regions sahariennes) errichtet wurde. Ohne daß die politische Organisation und Zugehörigkeit der Sahara endgültig geregelt wurde, sollte durch die geschaffene Organisation mit vorwiegend wirtschaftlichem und technischem Charakter mindestens der Weg dazu geebnet werden. Diese wirtschaftliche Verwaltung der Sahara hat infolge der labilen politischen Zustände in Paris bisher noch nicht die Zeit und die Mittel gefunden, um praktische Arbeit zu leisten. Diese bleibt daher vorerst den in der Sahara tätigen staatlichen und privaten Erdölgesellschaften vorbehalten. Bezeichnend für die bis heute noch sehr ungewisse Stellung dieser Verwaltung ist die Tatsache, daß sich seit dem 13. Mai der algerische Wohlfahrtsausschuß auch für die Saharagebiete zuständig erklärt.

Militärische Überwachung