Von Michael Davie

London, im Juli

Sieben Gründe haben die britische Regierung bewogen,letzte Woche Truppen nach Jordanien zu entsenden:

Erstens: Zuverlässige Informationen, die besagten, ein von der Vereinigten Arabischen Republik inspiriertes Komplott zum Sturze König Husseins und seiner Regierung stehe unmittelbar bevor.

Zweitens: Die britische Regierung war der Ansicht, daß, wenn nach dem Irak auch Jordanien und Libanon sich Gamal Abd el Nasser unterwerfen würden, der arabische Druck auf Israel so unerträglich werden könnte, daß ein israelischer Präventivschlag gegen Kairo zu befürchten sei.

Drittens: Die Regierung glaubte, dem englischen Prestige würde im gesamten Vorderen Orient empfindlicher Schaden zugefügt werden, wenn England sich der Verpflichtung entzogen, hätte, König Hussein zu unterstützen. Insbesondere fürchtete London die negativen Rückwirkungen eines eventuellen Stillhaltens auf diejenigen arabischen Herrscher, die mit England Protektoratsverträge geschlossen haben – vor allen Dingen auf die Scheichtümer im Persischen Golf, von deren ölproduktion England weitgehend abhängig ist. Viertens fürchtete das Kabinett Macmillan, die Ereignisse im Irak könnten zu einem Erdrutsch im Nahen Osten zugunsten Nassers führen. Seit Monaten schwankt die englische Regierung zwischen der Auffassung, daß Nasser die westliche Stellung im Mittleren Osten fast im selben Maße bedrohe wie die Sowjetunion, und der Ansicht, daß man zu einem Ausgleich mit ihm kommen müsse. Im Foreign Office herrscht die Überzeugung vor, jeder Zuwachs in Nassers Einflußsphäre begünstige im Effekt Moskau weit mehr als den Westen. Eine Verstärkung der Arabischen Republik durch Irak, Libanon und Jordanien würde – so glaubte man in London – die westliche Position in Mittelost vollends zum Einsturz bringen.

Fünftens hegte die englische Regierung die Besorgnis, daß die Schockwellen eines durch britische Untätigkeit verschuldeten Umsturzes im Libanon und in Jordanien auch auf den Sudan und das Königreich Libyen übergreifen könnten. (Im Sudan begrüßte die Oppositionspartei die Revolution von Bagdad und zwang den Premier, eine Erklärung zurückzunehmen, in der er der US-Intervention im Libanon zugestimmt hatte.)