Wiederholt schon waren in der Schweiz Theaterzuschüsse Gegenstand einer Volksabstimmung. Früher in Basel, vor kurzem. in Zürich. Hier galt die jüngste Urabstimmung der Frage: Soll das Zürcher Stadttheater eine Million Franken mehr als bisher bekommen

Der Zürcher Gemeinderat hatte die Subvention schon am 1. Juli 1957 von 1,5 auf 2,5 Millionen Franken erhöht. Obwohl das für ein Opernhaus, wie das Zürcher Stadttheater, immer noch nicht viel wäre – führende deutsche Opern arbeiten mit der doppelten, ja dreifachen Subvention – wurde in Zürich das Volksbegehren als Mißtrauensvotum gegen die Opernleitung ausgelöst.

Die Frage der Opponenten an die Bürgerschaft ist mit einer knappen Mehrheit für die zusätzliche Opernmillion beantwortet worden. 38 735 Personen stimmten mit Ja, 35 424 mit Nein. Nicht weniger als 74 159 Männer haben also – von der Meinung der weiblichen Theaterbesucher ganz zu schweigen – ihre Ansicht über das Opernhaus ausgesprochen. Das ist viel für Zürichs Einwohnerzahl von etwa 500 000.

Was das Verfahren betrifft, so mußten alle Freunde der Theaterkunst den Atem anhalten. Ein Volksentscheid hat auf den ersten Blick etwas Bestechendes. Doch was wäre aus dem Fortschritt – besser: aus der Entwicklung – in der Kunst aller Gattungen geworden, wenn jeweils das Neue, nur weil es ungewohnt und eine Weile unverständlich war, in seiner öffentlichen Existenz einem „Referendum“ unterstellt worden wäre?

Bedeutsamer als der knappe Abstimmungssieg dürfte für das Lieblingstheater der Zürcher freilich eine andere Tatsache sein: Bald nach dem Amtsantritt des aus Deutschland . engagierten Direktors Karl Heinz Krahl legte Professor Hans Rosbaud die musikalische Oberleitung der Zürcher Oper nieder. Dieser Dirigent ist nicht nur international anerkannt als ein Künstler, der weiß, was an Neuerungen werthaltig, was Tagesschaum ist. Rosbaud weiß auch die Lebenskraft der Tradition einzuschätzen. Er respektiert eine Stilgrenze, die im Zürcher Opernhaus in Richtung auf modernistisches Effekttheater überschritten worden ist. Johannes Jacobi