Der Wiederaufbau des MAN-Zweigwerkes am Hachmannkai in Hamburg ist jetzt nach Errichtung eines sechsstöckigen Verwaltungsgebäudes beendet. Ein Rundgang durch das 120 000 qm umfassende Werkgelände aus Anlaß einer Feierstunde, zu welcher die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG eingeladen hatte, ließ erkennen, daß hier an einem überaus günstigen Standort eine Anlage entstanden bzw. wieder in Betrieb genommen worden ist, die als beispielhaft gelten darf für den hohen technischen Ausrüstungsstand der deutschen Industrie.

Die Entstehung des Werkes geht auf das Jahr 1938 zurück, als sich die damalige Kriegsmarine entschied, Dieselmotoren für die eigenen großen Kriegsschiffseinheiten in einem reichseigenen Motorenwerk zu bauen. Mit der Planung wurde die MAN betraut, die in den Jahren 1939 bis 1941 in Sechs großen Werkhallen eine moderne Fertigungsstätte erstellte. Die MAN übernahm diese Anlage mit ihren Einrichtungen pachtweise als „Motorenwerk Hamburg GmbH“; diese selbständige Tochtergesellschaft bestand bis 1945. Das Werk wurde im Kriege durch Fliegerangriffe stark beschädigt, und nach 1945 wurden die Maschinen und das bewegliche Inventar demontiert. Schon frühzeitig nahm die MAN Fühlung mit dem Bundesfinanzministerium und dem Land Hamburg wegen einer erneuten Pachtung und Inbetriebnahme auf, zumal seit 1954 für die MAN das dringende Bedürfnis bestand, ihre Fertigungskapazität für Motoren auszuweiten. 1955 kam es zum Abschluß eines Pachtvertrages. Der Bund als Rechtsnachfolger des Reiches und Eigentümer der Hallen übernahm mit einem Kostenaufwand von 18,5 Mill. DM den Wiederaufbau der Gebäude und der ortsfesten Anlagen. Die MAN ihrerseits begann, die Hallen mit den erforderlichen Maschinen und Einrichtungen auszurüsten und das Werk zu betreiben. Die Stadt Hamburg als Eigentümerin des Werkgeländes war bei der Beschaffung des erforderlichen Investitionskapitals behilflich.

Das Hamburger Werk der MAN, das innerhalb von drei Jahren erstand, ist besonders auf die Bedürfnisse der Schiffahrt und des Schiffbaues eingerichtet. Die ersten Dieselmotoren aus der Hamburger Fertigung wurden im Dezember 1957 geliefert. Hergestellt werden in dem Hamburger Zweigwerk Dieselmotoren von 1200 bis 6500 PS mit Zubehör, weiterhin Dampfkessel für Schiffsantriebe, und Kraftwerke sowie Schiffsbetriebsturbinen bis zu den größten Antriebsleistungen. Eine bedeutende Rolle spielt auch der Reparatur- und Ersatzteildienst. Gegenwärtig beschäftigt das Werk 1650 Arbeiter und 300 Angestellte. Die Auftragslage sichert eine volle Beschäftigung bis in das Jahr 1960 hinein. kt