r. g., Stuttgart

Der Tatsache, daß ich den Anregungen meines Fahrlehrers nicht gefolgt bin, verdanke ich, daß mein Name weder im Polizeibericht noch in den Gerichtsakten vermerkt ist.

Mein Fahrlehrer hatte, als ich mit dem Schulwagen dahinschlich, geringschätzig ausgestoßen: „Kaufen Sie sich doch lieber ein Eselsgespann, wenn Sie ihr Schneckentempo partout beibehalten wollen!“ Und im theoretischen Unterricht hatte er uns den Rat gegeben: „Wenn die Fußgänger nicht aus dem Wege gehen, dann helfen Sie eben ein bißchen mit dem Kotflügel nach – das wirkt immer!“

Apropos Schwabens Fahrlehrer: viele von ihnen schaffen sich, wenn’s im Getriebe kracht oder der Motor unter der Ampel abgewürgt wird, ihr Ventil in einer rüden Ausdrucksweise, die um kräftige schwäbische Akzente bereichert ist: Dackel, Säckel, saudummer.

Aber auch die in ihrer bürgerlichen Ehre verletzten Fahrschüler haben sich jetzt ein Ventil geschaffen: Sie haben gegen ihre Prüfer aufgemuckt und den Esel, das Rindvieh, den Hornochsen, als die sie am Steuer bezeichnet worden sind, vor den Baden-württembergischen Landtag gebracht, wo ein SPD-Abgeordneter eine Große Anfrage über die unwürdigen Methoden bei der Abnahme der Fahrprüfungen einbrachte.

Innenminister Renner (SPD) nahm bei der Landtagsdebatte die Klage über das zoologische Vokabular und den Kasernenhofton der Prüfer nicht auf die leichte Schulter. Er teilte mit, daß sein Ministerium bereits in einem Falle die Staatsanwaltschaft veranlaßt hat, ein Offizialverfahren einzuleiten. Der angeschuldigte Sachverständige hatte die Antwort eines Prüflings als „saudummes Geschwätz“ und den Fahrlehrling als „saudummen Bauern von der Alb“ bezeichnet.

Der Verwaltungsausschuß wird sich nun mit dem Wunsch der SPD nach einheitlichen Richtlinien für die Abnahme der Führerscheinprüfungen und mit dem Antrag der CDU auf Erstattung eines ausführlichen Berichts über das Fahrprüfungswesen beschäftigen.

Die Sachverständigen und Prüfer absolvieren am besten noch schnell einen Kursus in Psychologie und Pädagogik oder blättern gelegentlich im „Guten Ton“, den sie oftmals vermissen lassen. Auf daß sie, die Prüfer, bei der Prüfung durch das Innenministerium in diesen Fächern nicht durchfallen...