Die kommunistische Wühlarbeit ist eine Konstante der heutigen Weltpolitik. Das ist eine bedauerliche Tatsache, mit der man sich abfinden muß. Aber es wäre Zeit- und Kraftvergeudung, die unermüdliche Moskauer Aktivität immer wieder an sehr speziellen Punkten nachweisen zu wollen, zumal dabei meistens doch nur falsche Schlüsse gezogen werden. Vielmehr empfiehlt es sich, stets der Tatsache eingedenk zu bleiben, daß die Sowjets, ihre Strohmänner und Helfershelfer eben überall, jederzeit und mit allen Mitteln die Fundamente aller Staatswesen zu unterhöhlen versuchen, die sich noch nicht unter die Fittiche Moskaus oder vielleicht auch Pekings begeben haben.

So drückt die Feststellung, die nahöstliche Krise liefere einen weiteren Beweis für die Existenz eines weltweiten kommunistischen Komplotts, nicht viel mehr als eine Binsenweisheit aus. Und sie hilft uns ebensowenig weiter wie etwa die Feststellung eines Meteorologen: das Wetter der letzten Woche habe aufs neue bewiesen, daß Wolken Regen bringen.

Denn es ist einfach eine unwahre und zudem gefährliche, in die Irre führende Behauptung, daß der Kreml jetzt dabei sei, im Mittleren Osten kommunistische Revolutionen anzuzetteln. In Wahrheit tut er nichts dergleichen, sondern beschränkt sich ganz darauf, das Sowjetregime gegenüber der westlichen Koalition zu stärken, indem er die Stellung des Westens unterminiert. Dabei wenden die Sowjetkommunisten in Mittelost dieselbe Aushöhlungstaktik an, die einst die Zaren entlang der Grenzen Indiens praktizierten.

Doch wenn Chruschtschow und seine Freunde auch im Augenblick nicht daran interessiert sind, den Kommunismus im Mittleren Osten zu etablieren – an einem haben sie dennoch das allergrößte Interesse: daran nämlich, den westlichen Einfluß aus diesem Raum zu vertreiben. Dieses Ziel verfolgen sie mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln. Wenn Chruschtschow annähme, daß es seinem Ziel dienlich sei, würde er sich auch nicht im geringsten scheuen die arabischen Fürsten und Könige zu unterstützen...

Indessen, das politische Instrument, das Chruschtschow gewählt hat, ist nun einmal der arabische Nationalismus. Und während der Kreml innerhalb der Sowjetunion den Einfluß der Moslems bekämpft, da dieser sein eigenes Regime bedroht, unterstützt er die Moslems außerhalb der sowjetischen Landesgrenzen, weil sich deren Einfluß dort gegen die Stellung des Westens richtet.

Selbst wenn es im ganzen Vorderen Orient nicht einen einzigen Kommunisten gäbe, würde Moskau jede Bewegung unterstützen, die die westliche Position gefährdet. Umgekehrt aber: der Irak könnte voller Kommunisten stecken, und doch würde der Kreml sie ohne Zaudern in die Wolfsschlucht werfen, falls es gerade in seine politischen Pläne paßte.

Aus all dem ergibt sich: Die permanente Moskauer Wühlarbeit wird nur dann wirklich gefährlich, wenn die Bewegung, die der Kreml in einem bestimmten Land unterstützt, dort selbst schon eine mächtige Kraft geworden ist. Moskaus besondere Stärke liegt denn auch vor allem – und gerade im Orient – in seiner überlegenen Diagnostik und in seiner absoluten Skrupellosigkeit. So erkannte der Kreml lange vor dem Westen die Kraft des arabischen Nationalismus. Das wiederum versetzte ihn in die Lage, sich jene Emotionen dienstbar zu machen, die, wenn sie sich in der UdSSR selbst manifestieren, als schnöder Verrat oder – wie es im heutigen Parteichinesisch heißt – als Revisionismus gebrandmarkt werden.