Gemessen am gesamten Außenhandel der Bundesrepublik ist der Austausch mit den Ländern des Nahen Osten nicht besonders intensiv. Im vergangenen Jahr belief sich unsere Einfuhr aus dem Irak, Libanon und Jordanien auf fast 187 Mill. DM, unsere Ausfuhr in diese drei Länder auij 254 Mill. DM. Am Gesamtvolumen unserer Einfuhr von 31,6 und der Ausfuhr von rund 36 Mrd. gemessen, ist das wenig – nur 0,6 bzw. 0,7 v. H. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres ist der Handel mit diesen Ländern in normaler Art und Weise abgewickelt worden; Import (122 Mill. DM) und Export (129 Mill.) sind geringfügig gestiegen. Wenn auch das Austauschvolumen relativ gering ist, so handelt es sich aber doch um interessante Beziehungen.

Unsere Käufe im Irak während des letzten Jahres bestanden zu 94 v. H. aus Erdöl. Je nachdem, wie groß in diesem Jahr unsere Gesamterdöleinfuhren sein werden – das Volumen hängt von dem Ausbautempo der Raffinerien ab –, wird der Anteil der Ölimporte aus dem Irak an der Erdöleinfuhr der Bundesrepublik zwischen 25 und 30 v. H. liegen.

Auf der anderen Seite ist der Irak auch ein guter und angenehmer Kunde, der ein breit gestreutes Sortiment deutscher Waren aufnimmt und einen der wichtigsten Partner der deutschen Bauindustrie im Ausland darstellt. Das derzeitige Volumen der deutschen Bauindustrie an Auslandaufträgen dürfte bei rund 900 Mill. DM liegen – wovon etwa 230 bis 250 Mill. auf den Irak entfallen; zum statistisch erfaßten Volumer von 200 Mill. DM sind in jüngster Zeit noch neue, Straßenbauaufträge gekommen. Insgesamt bezifferten sich die deutschen Bauaufträge im Irak seit 1950 auf etwa 350 Mill. DM. Das größte irakische Objekt der deutschen Bauindustrie war der jüngst fertiggestellte Staudamm, der Bagdad vor den ständigen Überschwemmungen schützt. Unsere Bauindustrie arbeitet gern mit dem Irak zusammen, dessen Regierung dank der großen Öllieferungen immer zahlungsbereit war. Kredite spielen eine ganz geringe Rolle – im Gegensatz zur Lage in anderen Entwicklungsländern.

Während unsere Einfuhr aus Jordanien ganz minimal (1957 ganze 90 000 DM) und auch unsere Ausfuhr mit knapp 27 Mill. DM recht bescheiden ist, hat der Handelsverkehr mit dem Libanon größere Bedeutung (deutsche Ausfuhr 103, Einfuhr 17,0 Mill. DM). Der Libanon stellt einen wichtigen Umschlagplatz für den Weiterverkauf in die angrenzenden Länder dar.

Die deutschen finanziellen Engagements in den Nahost-Ländern sind durchweg privater Art und lassen sich ungefähr an den Hermes-Bürgschaften ablesen. (Neben den Hermes-Garantien existieren noch andere Risiko-Absicherungen, und in den Obligo-Übersichten von Hermes sind auch Gegenlieferungen festgehalten, so daß die Zahlen nur ein Bild von der Größenordnung geben.) Die über Hermes abgesicherten Engagements im Irak betragen zur Zeit etwa 250 Mill. DM, worin auch Bauaufträge enthalten sind. Sie haben ein relativ geringes Risiko, weil Bauleistungen jeweils eingestellt werden, wenn der Bauherr mit seinen Zahlungen länger im Rückstand bleibt. Das Hermes-Volumen für Geschäfte mit dem Libanon beläuft sich auf 15 Mill. DM. An Bauaufträgen laufen für den Libanon drei mit 12 Mill. DM und für Jordanien ein Auftrag mit 25 Mill. DM.

Der Irak ist dem Pfundblock angeschlossen, und der Zahlungsverkehr wickelt sich über die EZU ab. Der Libanon hat vor über einem Jahr wegen angeblicher Benachteiligung gegenüber Ägypten das Zahlungsabkommen gekündigt, aber der Zahlungsverkehr verläuft reibungslos. Gezahlt wird überwiegend in Pfund; für die Ausfuhr möchte man gern harte Dollar haben.

Friedrich Lemmer