Wir, die wir glauben, Dichter seien dem Sinn unseres Lebens näher als Feldherren; wir, die wir uns gern auffordern lassen zu vergleichen, was die Welt denn noch vom britischen König Jakob I. habe – und was von seinem Zeitgenossen William Shakespeare; wir, die wir die Bezeichnung „Volk der Dichter und Denker“ für unsere Nation nie als kränkend, aber oft als leider nicht ganz zutreffe

empfunden haben – wir alle sehen unser Tun und Lassen in diesen Tagen wieder einmal überschattet von der Frage, die der letzten Generation der sogenannten Intellektuellen in diesem Lande häufiger gestellt wurde, als ihr gut getan hat: Hat es denn noch einen Sinn?

Hat es denn noch einen Sinn, sich – während der Nahe Osten in Flammen steht – den Kopf darüber zu zerbrechen, wie Kulturkongresse am besten zu organisieren wären? Hat es denn noch einen Sinn, nicht alle Aufmerksamkeit auf Eisenhower und Chruschtschow zu richten, sondern einige auch auf Pollock und Pasternak? Hat es in einer Welt, die sich in ihrer Existenz täglich bedroht sieht, noch einen Sinn, einen Roman, eine Komposition, ein Studium anzufangen, die Jahre und Jahrzehnte brauchen, ehe sie reifen, ehe sie Früchte tragen? Hat es, auf einen Nenner gebracht, noch einen Sinn, an die Möglichkeiten der Kunst, der Wissenschaft, der Zivilisation zu glauben, wenn solcher Glaube von nüchternem Verstand täglich als Trug und Traum entlarvt wird?

Es zeugt nur scheinbar von kräftigem Tatsachensinn, diese Fragen kurz entschlossen zu verneinen. Und es zeugt nur scheinbar von „höherer Kultur“, sie sich gar nicht erst zu stellen.

Schließlich jedoch bewundern wir den Mann, der einen Baum pflanzte, obwohl ihm sein Arzt gesagt hatte, daß er nur noch wenige Tage zu leben habe. Am Ende finden wir doch die Wahrheit in den Versen jenes Engländers, der kein Träumer war, sondern ein Weltmann, ein Historiker, ein Beamter im Wirtschaftsministerium. Alles vergeht, schrieb Henry Austin Dobson, und nur die Kunst bleibt. Die Büste steht länger als der Thron, die Münze überdauert den Kaiser Tiberius:

All passes. Art alone

Enduring stays to us;