o. f., Hamburg

Als ich noch ein kleiner Hitlerjunge war, in einem KLV-Lager an der oberen Nab, da hieß es eines Tages: „Freiwillige raus zum Hopfenpflücken!“

Und dann marschierten wir geschlossen in die großen Hopfenplantagen, weil wir dafür ein Extrataschengeld bekamen. Am liebsten pflückten wir die Schoten dort, wo die Stangen liebt waren, wobei einer auf die Schultern des anderen kletterte; nur wenn Tiefflieger kamen, verkrochen wir uns ins innere Dickicht der Stauden, nahmen Deckung, während einige MG-Salven prasselten. Danach riefen die Truppführer „Alles raustreten!“ und zählten nach, ob keiner verlorengegangen war.

Die Tiefflieger waren damals die einzige Gefahr für uns.

Heute, Wo es keine Tiefflieger mehr gibt, heute müßte es eigentlich eitel Freude sein, in den Hopfen zu fahren und für gutes Geld die Schoten zu zupfen. Aber lauern heute nicht ganz andere Gefahren?

Was geht heute in den Hopfenplantagen vor? Das ist meine bange Frage, wenn ich die Meldung lese: „Die Regierung von Niederbayern hat die Landratsämter ... angewiesen, alles zu tun, um eine sittliche Gefährdung der Jugendlichen beim Hopfenzupfen auszuschließen.“

Da wird mir sehr bang um mein Ex-Hopfenzupferherz, wenn ich von sittlichen Gefahren lese, die im Stangendickicht schlummern sollen. Welche? Undenkbar gefährlich muß es heute im Hopfen sein, wenn die niederbayerische Regierung trotz des Bundesgesetzes zum Schutze der Jugend noch ein solches Sonderdekret erläßt. Gern führe ich nun hinunter, um das Geheimnis dieser dunklen Andeutung zu enträtseln – aber die Gewißheit beruhigt mich: sie werden ja „alles tun, um alles zu verhindern

Gern hätte ich jedoch gewußt, wie das heute gemacht wird; ob es – wie damals – genügt, „alles raustreten“ zu lassen, um die Hopfenzupferhäupter zu zählen und zu sehen, ob nicht einer oder eine oder gar einer und eine im Hopfen geblieben sind...