Von Wolfgang Altendorf

Einer besonderen Würdigung erfreut sich in der einschlägigen Literatur der Sommer. Die Autoren, in vereinter Kraft mit den Verlegern und Filmproduzenten, bemühen sich, das ökonomisch Beste aus diesem Jahresquartal herauszuschlagen.

So ist es eine Tatsache, daß allein der Untertitel „Sommerlich“, der das in Frage stehende Werk charakterisieren soll, einen merkwürdigen Reiz auf die Kaufentschlußkraft des erwartungsfrohen Lesers ausübt. Wer, dessen Gemüt noch nicht allzusehr durch moderne, unverständlich surrealistische Themen angekränkelt ist, greift nicht freudig zu einem Buche, das sich als eine – na, sagen wir – „Sommerliche Liebesgeschichte“ ankündigt.

Der Filmproduzent liebt das sommerliche Thema allein schon wegen des Lichtes, des kräftig strahlenden Sonnenlichtes nämlich, das ihm – so jedenfalls hofft er, immer erneut – ein kostspieliges Ausleuchten der Szenen erspart. Auch weiß er aus Erfahrung, daß „Sommer – Sonne – Erika“ oder „Es geschah in einer milden Sommernacht“ dem Publikum die Brieftasche lockert. Diese Filmtitel nähern sich der unentrinnbaren Wirkung von „Heideröslein“ oder „Des Försters Töchterlein“ auf eine äußerst erfreuliche Weise.

„Wenn die liebe Sonne lacht“! – „Liebe im August“! – „Sonnenschein am Wolfgangsee“! – es sind Schlagzeilen, die man ins Ungemessene fortsetzen kann. Nur am Rande sei vermerkt, in welch gigantischem Ringen sich Produzent, Regisseur und Star während der Drehzeit solcher Filme mit der Tücke des Wetters befinden. Ihr Werk läßt davon nichts spüren. Sieht man sich die Sache an, dann nämlich, wenn uns der hartnäckige Sommerlandregen ins Kino treibt, gewinnt man unweigerlich den Eindruck, das alltägliche Leben hierzulande spiele sich vorwiegend bei strahlendem Sonnenschein ab.

Auch die echte sommerliche Liebesgeschichte spart in bewunderungswürdiger Konsequenz das Regenwetter aus, es sei denn, ein dramaturgisch genau gesetzter Gewitterguß treibt Held und Heldin im Heuschober zum Happy-End.

Erstaunlicher noch sind die Einzelheiten am Rande, mit denen Sommerroman- und Sommerfilmautoren den Ablauf der eigentlichen Handlung ausdehnen und -schmücken. Da träumt ein Jüngling an einem warmen Julitage im Grase, während er gedankenvoll an einem Grashalm nagt, da geht eine hübschgekleidete Maid durch das wogende Kornfeld, während die Lerche trillierend den azurblauen Himmel emporsteigt. Der Forstadjunkt trifft das liebliche Töchterchen des Großbauern im Sommerwald an der Lichtung, und beide lauschen am Waldweiher dem heiteren Gequake der Frösche und dem geheimnisvollen Schlag der Unke. Selbst der Einödbauer sitzt vor seiner Kate auf der knorrigen, selbstgezimmerten Bank und genießt neben seinem kargen, aber wohlverdienten Lebensabend auch die wärmenden Strahlen der untergehenden Sonne, während ein mildes Abendlüftchen sein weißgewordenes Haupthaar sanft umfächelt.