A. d. F., Rom, im Juli

Mit sehr knapper Mehrheit hat Amintore Fanfanis „Regierung der linken Mitte“ Ende vergangener Woche von der Abgeordnetenkammer ihre Investitur erhalten. Die Wahl Fanfanis, der neben dem Ministerpräsidentenamt auch das Portefeuille des Außenministers übernommen hat, fiel gerade mit dem Höhepunkt der nahöstlichen Krise zusammen.

Was Fanfani, der seine außenpolitischen Ziele vor der Investitur-Abstimmung im Palazzo Montecitorio darlegte, jetzt anzustreben scheint, ist offenbar ein Gleichgewicht zwischen der Bindung seines Landes an den Westen und dem besonderen Interesse, das Italien als zentrale Mittelmeermacht, an einem guten Verhältnis zur arabischen Welt haben muß.

Zunächst also geht es Fanfani darum, an dem lebensichernden Bündnis mit den Westmächten festzuhalten, ja, es möglichst noch zu verstärken; im Einvernehmen mit Bonn will er das Konsultationssystem der NATO nun endlich zum Funktionieren bringen. Zum anderen aber drängt er auf die Ausarbeitung einer gemeinsamen westlichen Politik gegenüber dem Nahen und Mittleren Osten. Er meint, man müsse jenen Ländern aus den Wachstumsschwierigkeiten heraushelfen und den kommunistischen Einfluß dort eindämmen. Dieser Plan liegt auf derselben Linie, die schon der ehemalige Außenminister Pella mit seinem Vorschlag verfolgte, aus den europäischen Tilgungsraten der Marschallplan-Gelder einen Entwicklungsfonds für die arabischen Länder zu bilden.

Die anglo-amerikanische Intervention im Nahen Osten war in Rom zunächst ganz positiv aufgenommen worden. Bald aber schlug die Stimmung um – ohne daß allerdings inzwischen deutlich geworden ist, was die Regierung eigentlich veranlaßte, in zunehmendem Maße Kritik an der angelsächsischen Operation zu üben.

Jetzt jedenfalls sucht Fanfani die Lösung der orientalischen Krise in einer Begrenzung der Intervention auf den Libanon und Jordanien, und er ist bestrebt, die Verantwortung für die Bereinigung der Lage aus den Händen Englands und Amerikas in die der Vereinten Nationen zu legen. Offensichtlich war Fanfani auch darüber verstimmt, daß Rom nicht vor der Aktion konsultiert worden war. Der Ministerpräsident, der von „neuen außenpolitischen Methoden“ spricht, „die der neuen Würde der Nation entsprechen“, wird mit seinen Gedanken in den vertraulichen persönlichen Botschaften nicht hinter dem Berge gehalten haben, die er Eisenhower und Adenauer zugehen ließ.

Wird es dem tatendurstigen Fanfani gelingen, die rechte Balance zwischen Italiens Stellung im Bündnis des Westens und seiner Stellung im Mittelmeer herzustellen?

Es gibt im Regierungslager – vor allem im dem linken Flügel der Democrazia Cristiana – Kräfte, deren undifferenziert pro-arabischen Neigungen es Italien erschweren könnten, seine für die westliche Allianz wichtige Rolle im Mittelmeerraum weiterzuspielen. Es könnte nämlich durchaus sein, daß ein verstärktes Wiederaufleben des mediterranen Bewußtseins der Italiener nur der linksradikalen neutralistischen Propaganda in die Hände spielen würde.