„Ich glaube, daß... Polen und der Saar dieselbe Gefahr droht, die Gefahr des deutschen Revisionismus. Zwischen uns (Saarländern) und den Bewohnern Deutschlands besteht nämlich ein grundlegender Unterschied. So ist zum Beispiel die Bevölkerung der Saar ausgesprochen friedlich, was man von den Deutschen nicht behaupten kann ...“ – Johannes Hoffmann 1952 zu einem polnischen Journalisten.

Mit der „christlichen Einheit“ an der Saat ist es eine mißliche Sache; man erhofft sie Tom Zusammenschluß der „Christlich-Demokratischen Union“ des gegenwärtigen Ministerpräsidenten Reinert mit der „Christlichen Volkspartei“ des ehemaligen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann. Diese beiden Parteien verfügen im Star-Landtag über eine knappe Mehrheit, sie könnten die beiden anderen Fraktionen – die Demokraten Dr. Schneiders und die Sozialdemokraten – in die Opposition drängen.

Und dennoch geschieht das nicht. In Saarbrücken regiert vielmehr noch immer die „Heimatbund“-Koalition aus CDU, Demokraten und Sozialdemokraten gegen die CVP, deren Ehrenvorsitzender noch immer Johannes Hoffmann heißt. Es regieren die Nein-Sager vom 23. Oktober 1955 gegen die Minderheit, die damals Ja zum Saarstatut sagte.

Im Winter 1955 – nach der Niederlage seiner angeblich europäischen Politik und dem Zusammenbruch eines auf Zensur und Parteiverbote gegründeten Systems – hatte sich „Joho“ aus dem politischen Leben zurückgezogen, um, wie er sagte, der Einigung der beider christlichen Parteien nicht im Wege zu stehen. Jetzt ist er ins Rampenlicht zurückgekehrt, am Vorabend des 14. Juli, des französischen Nationalfeiertages, an dem er so oft mit seinem Freunde Gilbert Grandval die Truppenparade abgenommen hatte. ‚Le promoteur de nombreuses motions en faveur de la politique de la France en Sarre“ hatte ihn der Lothringer Grandval-Ollendorf genannt.

Der Beschluß des CVP-Parteitages vom 13. Juli 1958, die „christliche Einheit“ auf dem Wege der „gleichberechtigten Aufnahme aller CVP-Mitglieder in die CDU“ herzustellen und Joharnes Hoff mann mit der Überwachung der Verhandlungen über die Parteiverschmelzung zu beauftragen, erscheint ebenso dreist wie Johos Berufung auf seine angeblichen „Freunde in Bonn“.

Dreist muß man jenen Parteitagsbeschluß allein schon darum nennen, weil seit zweieinhalb Jahren feststeht, daß der CDU-Landesverband Saar für den Zusammenschluß mit der CVP eine wichtige Bedingung stellt, nämlich daß Joho und die zehn oder zwölf Männer, die außer ihm für die undemokratischen und unchristlichen Polizeistaatmethoden der Jahre 1947 bis 1955 verantwortlich sind, ausgeschlossen blieben. Unter diesen Umständen ist der Entschluß, ausgerechnet Hoffmann als Berater für die Zusammenschluß-Verhandlungen zu wählen, einfach grotesk. Kann man es einem Manne wie Karl Walz, der 1953 unter Joho aus dem Saargebiet ausgewiesen wurde, nur weil man ihn als CDU-Abgeordneten für Trier in den Bundestag gewählt hatte, zumuten, sich mit Hoffmann an einen Tisch zu setzen?

Es gerät langsam in Vergessenheit, daß es an der Saar auch eine separatistischeSozialdemokra- tie gegeben hat. Der Zusammenschluß der „Sozialistischen Partei Saar“ mit der legitimen SPD erfolgte im März 1956. Dabei fielen die Parteibücher der am stärksten belasteten Funktionäre sang- und klanglos unter den Tisch. Niemand spricht heute noch von Richard Kirn.