Wo Preisschwankungen die ganze Volkswirtschaft erschüttern

Drei Probleme versetzen die Weltwirtschaft in permanente Unruhe: die ungenügenden Liquiditätsreserven, das langsame Wachstum der Wirtschaft in den Entwicklungsländern und die Schwankungen der Rohstoffpreise. Die meisten unterentwickelten Länder und auch einige andere Wirtschaftsräume sind, was Deviseneinnahmen und Finanzen anbetrifft, außerordentlich abhängig vom Umfang ihrer Rohstoffexporte, manchmal sogar vom Volumen der Exporte eines einzigen Rohstoffs. Das Problem dieser Staaten – das infolge der weltwirtschaftlichen Verflechtung auch unser Problem ist – besteht in der Überwindung der heftigen Rohstoff-Preisschwankungen und ihrer Folgen. Nach einer kürzlich in den USA angestellten Schätzung haben die überseeischen Länder infolge der Rohstoffbaisse seit einem Jahr eine Einbuße an Exporterlösen im Betrag von rund fünf Milliarden Dollar zu verzeichnen – eine Summe, die höher ist als die gesamte Auslandhilfe der USA. Europäische und amerikanische Experten sind oft geneigt, den Rohstoffländern gute Ratschläge zu erteilen. Wie schwierig es ist, Abhilfemaßnahmen praktisch durchzuführen, wird aus den folgenden Ausführungen deutlich.

Immer wieder werden Stabilisierungspläne für einzelne Rohstoffe aufgestellt. Hier manipuliert ein Land den Markt, dort trifft eine Gruppe von Produzenten Abreden über die Produktions- oder Ausfuhrdrosselung. Vor kurzem haben die wichtigsten Kaffeeproduzenten und die Kafee abnehmenden Länder in Washington eine „Kaffee-Studiengruppe“ gebildet, welche die Möglichkeiten einer Preisstabilisierung prüfen soll. In Hamburg tagten nacheinander die Kakao- und Naturgummi-Studiengruppen, wobei ebenfalls Vorschläge für eine Preisstabilisierung auf der Tagesordnung standen.

Jede internationale Preisstabilisierung mit Regierungshilfe erfordert nach den Vorschriften der Vereinten Nationen einen ganz, bestimmten Ritus, dessen Veranstaltung Studiengruppen übernehmen, an denen, wie in den späteren Organen eines Stabilisierungsabkommens, Erzeuger und Verbraucher paritätisch beteiligt sein müssen.

Besonders an der Stabilisierung des Gummipreises wird seit langem – jedoch vergeblich – laboriert. Infolge der Besetzung der ostasiatischen Gebiete durch die Japaner brach schon während des Krieges das alte „International Rubber Agreement“ zusammen. Nach dem Krieg trat der synthetische Gummi als neue scharfe Konkurrenz auf den Plan. Er deckt gegenwärtig 30 v. H. des Gummiverbrauchs der Welt. Da sich in dieser Zeit der Gummibedarf auf fast drei Millionen Tonnen, d. h. verdreifacht hat, haben Natur- und Kunstgummi-Produzenten in friedlicher Koexistenz trotzdem ihr gutes Auskommen gefunden. Außerdem haben in letzter Zeit die Sowjetunion und China durch starke Käufe dazu beigetragen, den Markt zu räumen und den Preis zu stützen. Aber ohne Zweifel würde ein auch nur leicht überhöhter Naturgummipreis der synthetischen Konkurrenz gefährliche Hilfe leisten.

Außenseiter gedeihen im Schatten

Indonesien und Ceylon möchten trotzdem eine Stabilisierung wagen; schärfster Opponent einer solchen Maßnahme ist Malaya. Nicht nur will die dortige Regierung nichts davon wissen, auch die britischen Plantagegesellschaften versprechen sich nichts davon. Kürzlich erst hat der Vorsitzende der United Süß Betong Rubber Estates Ltd. eine scharfe Attacke gegen die Preisstabilisierung geritten.