Je mehr man sich mit Richard Wagners Äußerungen über Tristan und Isolde befaßt, desto unwichtiger will einem die Problematik der sogenannten „Neubayreuther“ Inszenierungsexperimente mit ihrer Geometrisierung des Szenischen erscheinen. Aus den Verhandlungen werden mehr denn je die musikalischen Konsequenzen der „ganz und gar nach innen verlegten Handlung“ deutlich.

„Es war mir ein grenzenloses Bedürfnis“, teilt Wagner seinen Freunden mit, „musikalisch zu schwelgen, mich musikalisch auszurasen, wie wenn ich eine Symphonie zu schreiben hätte.“

Und als Friedrich Nietzsche sich anschickt, den Tristan zu erleben, sagt er: „Nehmen Sie die Brille ab, hier dürfen Sie nur Musik hören.“

Entsprechend gewinnt auch die Behauptung des Komponisten gegenüber Berlioz: daß seine Werke viel mehr durch den Klavierauszug als durch das Opernhaus populär werden würden, neue Bedeutung. An. die Seite des Klavierauszugs, in vielen Fällen an seine Stelle, ist inzwischen nun die Langspielplatte getreten. Mit ihrer Hilfe kann man die Werke viel gründlicher, als das jemals bei der Bühnenaufführung möglich wäre, in ihrer musikalischen Gestalt und in ihren stilistischen Besonderheiten studieren.

Richard Wagner: „Tristan und Isolde“; Flagstad, Thebom, Suthaus, Fischer-Dieskau, Greindl, Schock u. a. Dirigent Wilhelm Furtwängler (Electrola). „Die Meistersinger von Nürnberg“; Grümmer, Höffgen, Frantz, Frick, Schock u. a. Dirigent Rudolf Rempe (Electrola). Auszüge aus der „Götterdämmerung“; Varnay, Windgassen, Greindl. Dirigent Leopold Ludwig (Deutsche Grammophongesellschaft).

Der ungekürzte Tristan mit seiaier Vitalität und dem liebevollen Eingehen des Dirigenten auf die Feinheiten der Partitur verdankt dem Geschick der Ingenieure einige Verschönerungen. Gewisse Mängel der ersten Ausgabe, wie die leichte Schwäche einzelner Baßpartien, sind behoben; die Tonfülle der Streicher, die Farbigkeit der Holzbläser haben an Glanz gewonnen. Kirsten Flagstads schwierige Partie mit der „brutalen Gesangschromatik“, Suthaus’ erschütternde Darstellung der wachsenden Erregung des todwunden Helden im dritten Akt heben sich mit größerer Klarheit von der Orchesterfolie ab.

Bei der neuen Aufnahme der Meistersinger möchte ich nicht unterlassen, auch die vor sechs Jahren erschienene Decca-Ausgabe unter Knappertsbusch zu erwähnen. Denn in einzelnen Rollen, vor allem Schöfflers Hans Sachs, bietet sie Leistungen, die den Vergleich mit der neuen Aufnahme aushalten.