In die Reihe der -deutschen Unternehmen, deren Wiederaufbau besonderen Respekt abnötigt, gehört die Telefunken GmbH, Berlin. Diese Tochtergesellschaft der AEG hatte nicht nur wie das Gros der deutschen Industrie eine Fülle materieller Voraussetzungen neu zu schaffen, wobei sie allerdings in der glücklichen Lage war, ein Programm von begehrten Konsumgütern anbieten zu können; sie hatte darüber hinaus, vor allem auf dem Gebiet: der Hochfrequenz- und Nachrichten-Weitverkehrstechnik, den erfinderischen Vorsprung einer mächtigen ausländischen Konkurrenz einzuholen, obwohl ihr z. B. in der Radartechnik durch das erst vor wenigen Jahren aufgehobene Forschungs- und Produktionsverbot der Anschluß an. eine rund zehnjährige Entwicklung verwehrt worden war.

Telefunken ist ins Rennen gekommen und darin geblieben. Das beweist wieder der jetzt vorgelegte, erneut bemerkenswert aufschlußreiche Bericht über das Geschäftsjahr 1957/58(31. März), obwohl die Gesellschaft nicht publizitätspflichtig ist. Der Umsatz stieg – bei einer durchschnittlichen Zuwachsrate der deutschen Elektroindustrie um etwa zehn v. H. – um nicht weniger als 22 v. H. auf 370 Mill. DM. Diese Ausweitung wurde mit einer Belegschaft erzielt, die nur um etwa 14 v. H. auf knapp 19 000 und einschließlich der in den Alleinbesitz Telefunkens übergegangenen Beteiligungen auf 23 000 Mitarbeiter zunahm. Diese Beteiligungen sind die NSF Nürnberger Schraubenfabrik und Elektrowerk GmbH, Nürnberg, die aus der AEG-Familie übernommen wurde, ferner die Pintsch Electro GmbH, Konstanz, und die &MEWA-Elektrotedinische Werkstätten GmbH, Lindau. Damit verfügt Telefunken jetzt über 15 Fabriken in Westberlin und dem Bundesgebiet. Bei unterschiedlicher, insgesamt aber noch ausgeglichener Kostenentwicklung und unveränderten Verkaufspreisen konnte der Exportanteil auf der Vorjahreshöhe von einem Viertel des Gesamtumsatzes gehalten werden. Das Röhrengeschäft übertraf dank anhaltender Fernsehkonjunktur und des fast unvermindert auf Rekordhöhe gehaltenen Absatzes an Rundfunkgeräten die Erwartungen. Magnetophone waren zunehmend gefragt, der Schallplattenabsatz stieg weiterhin „lebhaft“. Im Zusammenwirken mit den führenden großen Firmen des In- und Auslandes wird Telefunken im Herbst, voraussichtlich noch vor den USA, die „stereophone“ Schallplatte mit plastischer Tonwiedergabe und den dazugehörigen Geräten auf den Markt bringen. Der Geschäftsbereich Hochfrequenzanlagen vollendete u. a. die Radarüberwachung des gesamten zivilen Luftverkehrsnetzes der Bundesrepublik und verkaufte gegen stärkste internationale Konkurrenz die erste Serie der Analogelektronenrechner mittlerer Größe. Gerade auf diesem Gebiet erwartet die Unternehmensleitung das „große Geschäft“ der nächsten Jahre, weil die inzwischen auch für absolute Zahlenangaben entwickelten elektronischen Digital-Rechner auf die Erfordernisse mittlerer und selbst kleiner Betriebe und Verwaltungen zugeschnitten werden können.

Die Bilanz kann als Musterausweis eines erfolgreichen, wenn auch keineswegs sorgenfreien Unternehmens gelten. Ihre Summe stieg von 202,3 auf 267,6 Mill. DM. Bei fast unveränderten Investitionen von 27,3 (27,4), die auch im vielversprechend angelaufenen neuen Geschäftsjahr etwa das gleiche Ausmaß haben werden, stiegen die Abschreibungen auf 15,8 (11,0) Mill. DM. Die Zunahme des Umlaufvermögens aus 177,4 (140,6) Mill. DM blieb hinter der Ausdehnung des Geschäftsvolumens zurück und ist ein weiteres Zeichen für die erfolgreiche Rationalisierung. Durch eine zweimalige Aufstockung um je 15 Mill. DM erhöhte sich das Stammkapital auf 80 Mill. DM und überdeckt zusammen mit den Rücklagen von 20,0 (13,6) Mill. DM das Anlagevermögen. Unter Einbeziehung der Rickstellungen von 47,2 (40,1) sind auch die gesamten Verbindlichkeiten von 114,0 (91,6) Mill. DM reichlich gedeckt. Bei einem Rohüberschuß von 161,2 (125,8) Mill. DM ist ein Reingewinn von 6,5 (4,5) Mill. DM ausgeviesen, der zur Ausschüttung einer Dividende von 10 (9) v. H. auf das am Stichtag gewinnberechtigte Kapital verwendet worden ist. G. G.