Von Philip Deane

Washington, im Juli

Während der Suezkrise hatte Außenminister Dulles den Grundsatz verkündet, der arabische Nationalismus habe einen nicht mehr revidierbaren Prozeß eingeleitet und die arabischen Nationalisten würden lediglich in die Arme Moskaus getrieben, wenn man versuche, sie mit Waffengewalt zu bekämpfen. Dulles erklärte damals ferner, die britische Besorgnis hinsichtlich einer eventuellen Herrschaft der Araber über die Öl-Transportwege sei übertrieben, denn die Araber müßten – da Rußland selbst das Öl nicht brauche – es auf alle Fälle an Europa verkaufen.

Nun aber bezeichnete ein amerikanischer Unterstaatssekretär all diese Überlegungen als keinen mes Zeug“. Nasser, so sagte er, dürfe auf keinen Fall die Kontrolle über das irakische Öl erlangen. Würde sich der Irak dem Nasserismus unterwerfen, so wäre der Fall Kuweits und Bahreins unvermeidlich. Damit machte sich der amerikanische Unterstaatssekretär eben jene Argumente zu eigen, die die Engländer während der Suezkrise benutzt hatten – Argumente freilich, deren logische Schlußfolgerungen heute eine amerikanische Intervention im Irak wäre.

Woher dieser plötzliche Salto rückwärts der amerikanischen Orientpolitik? Der Umschwung vollzog sich in den 24 Stunden, die am Montag, dem 14. Juli, um 8 Uhr morgens begannen, als die ersten Meldungen über den Umsturz im Irak in der amerikanischen Hauptstadt eintrafen.

Allerdings galten die ersten Überlegungen an diesem schicksalhaften Montag in Washinton nicht dem Irak, sondern Israel. Der Irak war gefallen, Jordanien und der Libanon würden wohl unvermeidlich folgen. Würde ein dermaßen eingekreistes Israel nicht losschlagen, bevor Nasser seine neugewonnenen Positionen gefestigt hätte? Dies war zunächst die Hauptsorge.

Unterdessen kam aus dem Libanon die Nachricht, daß die Rebellen, angefeuert von den Ereignissen im Irak, nun die inoffizielle Absprache mit der Regierung wieder aufkündigen wollten, wonach der Chef der Armee, General Chehab, zum Präsidenten gewählt und der Bürgerkrieg auf diese Weise beendet werden sollte. Präsident Schamun, dem die Angst in die Glieder gefahren war, präsentierte jetzt in Washington seinen bisher nicht eingelösten Scheck – jene Zusage amerikanischer militärischer Unterstützung, die ihm im Mai gegeben worden war, als der libanesische Bürgerkrieg begann.