Trotz des Füllhorns der Öl-Royalties nur Absatzmärkte bescheidenster Dimensionen

Von Werner Richter, London

Solange Öl im Nahen und Mittleren Osten fließt, ist das Ränkespiel der Mächte und Interessenten nicht abgerissen. Die Erinnerungen an die Turkish Petroleum Co., an der die Deutsche Bank mit 25 v.H. beteiligt war, sind schon verblaßt. Der Friedensvertrag bereitete seinerzeit den kaiserlichen Öl- und Nah-Ost-Ambitionen ein jähes, für Deutschland durchaus nicht unseliges Ende. Inzwischen (1929) hat sich die Turkish Petroleum zur Iraq Petroleum gemausert.

Amerika tritt auf den Plan

Die Deutsche Bank war nach dem ersten Weltkrieg kaum aus dem Rennen geschieden, als die Amerikaner auf den Plan traten. An die fünf Jahre, bis 1926, rangen sieben US-Ölgesellschaften mit den Briten darum, den Fuß auf arabischen Boden setzen zu können. An Händen und Füßen gefesselt durften die Amerikaner zu guter Letzt ihre Teilhabersessel in der Iraq Petroleum einnehmen. Sie wurden vertraglich an die vom Foreign Office gestellte Bedingung gebunden, daß jeder Partner der Gesellschaft fündige Bohrungen im Gebiet des ehemaligen türkischen Reiches in das gemeinsame Unternehmen einzubringen habe.

Amerika hat es trotz dieser Bindungen verstanden, sich im arabischen Nest breiter zu machen. Mehr als die Hälfte des arabisch-persischen Öls fließt heute für amerikanische, und kaum ein Drittel für britische Rechnung, der Rest für französische. (Die Konzessionen, welche die Italiener in Persien und die Japaner im neutralen Raum von Kuweit und Saudi-Arabien kürzlich ergattert haben, tragen noch keine Früchte.) In keinem der größten Ölkonzerne im Vorderen und Mittleren Orient fehlt der amerikanische Partner, wie die folgende Tabelle zeigt.

An der Ölförderung gemessen wiegen demnach die amerikanischen Interessen absolut wesentlich schwerer als die britischen. Aber von den einzelnen Gesellschaften, britischen und amerikanischen, ist keine so einseitig im arabischen Raum verstrickt wie die British Petroleum, deren Aktienmehrheit britischen Staatsbesitz darstellt. Während alle anderen großen Konzerne ihre Fäden um die ganze Welt gespannt haben, ist die BP bis auf den heutigen Tag fast ausschließlich im Orient verwurzelt. Nahezu unbedeutend erscheint dagegen das nah- und mittelöstliche Engagement der gigantischen niederländisch-britischen Gruppe Royal Dutch-Shell, die kaum 15 v. H. ihres Rohölausstoßes aus arabischen Quellen bezieht.